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22.03.2011 - von Christian Lingnau
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Eichen (Quercus spec.)

In Deutschland gibt es drei Eichenarten, die ökologisch und wirtschaftlich bedeutend sind: Die Stiel- und die Traubeneiche sowie die Roteiche.

Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petrea) sind die in am häufigsten zu findenden Arten. Obwohl Eichen nur einen Flächenanteil von 9,6% der Waldfläche in Deutschland haben (hinter Fichte, Kiefer und Buche), ist diese Baumart wahrscheinlich jedem bekannt. Ob von der Rückseite der DM-Pfennige, von diversen Wappen, Orden oder Auszeichnungen oder doch tatsächlich aus dem Wald: Eichen sind das Symbol für Stärke und Standhaftigkeit, Ewigkeit, Weisheit, Wahrheit, Treue und Heldentum.

Die Roteiche (Quercus rubra) dagegen stammt aus Nordamerika und wurde 1742 in Europa eingeführt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird sie zunehmend forstwirtschaftlich genutzt, da sie schnellwüchsig und frosthart ist.

Wer ist wer?

Stiel- und Traubeneichen lassen sich auf den ersten Blick nur schwer unterscheiden. Charakteristisch sind die bis 12 cm langen, eingebuchteten Blätter und die länglichen Früchte (Eicheln), die in einem Fruchtbecher (Cupula) sitzen. Hier dienen Merkmale wie Zeitpunkt des Laubausbruchs, Art der Belaubung oder ob die Eicheln gestielt sind oder nicht, der Unterscheidung.
Stieleiche Traubeneiche
früherer Laubausbruch Laubausbruch etwas später
klumpige Belaubung gleichmäßigere Belaubung
Eicheln gestielt Eicheln fast ungestielt
Seitennerven in die Buchten, "Öhrchen" an der Blattbasis Blattadern und -nervenachsen leicht behaart
eigenwillige, knorrigere Anordnung der Hauptäste meist geradere Stämme

Außerdem liest man oft, dass im Gegensatz zu den Eicheln, die Blätter der Stieleiche ungestielt sind, während die der Traubeneiche einen bis zu 2,5 cm langen Blattstiel aufweisen. Allerdings ist dies kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal, da bislang noch kein Blattmerkmal wirklich artspezifisch einer der beiden Arten zuzuordnen ist. Weiterhin wird oftmals die Traubeneiche als diejenige beschrieben, deren Stämme gerader wachsen.

Geradschaftigkeit, bzw. die Eigenschaft lange, astfreie, gerade Stämme auszubilden, ist für die Wertholzproduktion sehr bedeutend. Eichenstämme, die diese Eigenschaften aufweisen und damit für die Furnierproduktion geeignet sind, können bis zu 10.000€ pro Stamm erzielen.

Eine Art oder zwei?

Gerade weil die beiden Eichenarten sehr schwer voneinander zu unterscheiden sind, wurde die Theorie aufgeworfen, dass es sich nicht um zwei Eichenarten handelt, sondern nur um eine. Genetisch können Stiel- und Traubeneiche bisher nicht unterschieden werden und es ist auch bekannt, dass die beiden Arten erfolgreich miteinander gekreuzt werden können.

Aufgrund der unterschiedlichen Präferenzen hinsichtlich der Standorte und hat es sich aber (noch) nicht überall durchgesetzt, diese als eine Art auszuweisen. Während Stieleichen feuchte, schwach saure Böden der Tallagen bevorzugen, mögen Traubeneichen die warmen, steinigen und trockeneren Böden niedriger bis mittlerer Höhenlagen. Auch hinsichtlich des Verbreitungsgebietes unterscheiden sie sich. Traubeneichen sind nur bis zur russischen Grenze zu finden, Stieleichen auch noch wesentlich weiter östlich, bis hin zur Wolga.

Aus dem Ökosystem Wald nicht wegzudenken

Eichen sind sehr wichtig für das Ökosystem Wald. So bieten Eichen zum Beispiel aufgrund ihrer Standhaftigkeit, die durch das dichte, tiefe Pfahlwurzelsystem gegeben ist, ausreichend Windschutz. Viel wichtiger aber ist die Funktion als Habitatbaum. In Mitteleuropa leben über 1000 Insektenarten von und an Eichen, etwa 500 sind nur auf diese spezialisiert. Eichen können bis zu 1000 Jahre alt werden, darum ist es nicht verwunderlich, dass er im Laufe seines Lebens vielen verschiedenen Tierarten und -generationen Lebensraum, Nahrung und Schutz bietet.

Seit den 80er Jahren allerdings macht sich ein Phänomen bemerkbar, dass allgemein als „Eichensterben" bezeichnet wird. Eine Vielzahl von abiotischen und biotischen Faktoren ist dafür verantwortlich, dass die heimischen Eichenarten nicht mehr so vital sind. Schadstoffeinträge, Grundwasserabsenkungen und zunehmende Witterungsextreme sind Prädispositionsfaktoren für den Befall durch Schädlinge wie Eichenprozessions- oder Schwammspinner und Frostspannerarten oder Wurzelfäuleerreger (Phytophtora-Arten).

Wissenswertes

  • Die Stiel - Eiche (Quercus robur) war 1989 der erste "Baum des Jahres"
  • Eichen waren früher in allen Wäldern vertreten, weil sie vielseitig einsetzbar sind: die Rinde ist reich an Gerbstoffen und wurde deshalb zum Gerben von Leder verwendet
  • mit den Eicheln wurden die Schweine gemästet, was dem Fleisch einen ganz besonderen Geschmack verleihen soll. Besonders bekannt dafür sind die Iberischen Schweine, die auch heute noch halbwild in Stein- und Korkeichenhainen leben und sich von den Eicheln ernähren. Der Schinken diese Schweine wird als "Jamón Iberica de Bellota" bezeichnet und gilt als spanische Spezialität.
  • nicht nur für Schweine, auch für den Menschen stellten Eicheln ein Nahrungsmittel dar: geschält, zerstoßen und durch mehrmaliges Baden in Wasser von den bitteren Gerbstoffen befreit, dienten sie in der Nachkriegszeit als Mehl- oder Kaffeeersatz. das Holz war als Konstruktionsholz für Häuser und im Schiffsbau sehr gefragt. Den hohen Anteil von Eichen im Lübecker Stadtwald zum Beispiel führt man darauf zurück, dass in der Hansestadt viel Holz für den Schiffsbau benötigt wurde.
  • Eichen spielen in der Mythologie eine große Rolle: In der nordischen Mythologie zum Beispiel heißt es, dass der Mensch aus einer Eiche geboren wurde.

Text: Anne Menz

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