zurück


15.08.2008 - von Micha

Waldkontrollen und Pilzlizenz - Österreich fürchtet «Schwammerlraub»

Von Miriam Bandar, dpa. Im österreichischen Wald grassiert der «Schwammerlraub». Kaum sind die Pilze aus dem Boden «geschossen», schneiden durch die Wälder streifende Pilzsucher sie ab und sammeln sie in großen Körben. Die einen wollen diesem ungehemmten Treiben mit Waldkontrollen und Such-Lizenzen Einhalt gebieten. «Raubrittertum» und «Die Früchte des Waldes sind für alle da» sagen Gegner und rufen zu Protesten auf.

«Ich will das ökologische Gleichgewicht erhalten», sagt der Waldbesitzer und Lizenz-Vergeber Dominik Habsburg-Lothringen. Der Wald vertrage nur eine bestimmte Anzahl von Pilzsuchern, sonst werde er vermüllt und das Wild zu sehr gestört. Deshalb fordern er und vier weitere Forsteigentümer in Kärnten nun 45 Euro Such-Gebühr im Jahr von Touristen und Einheimischen. Damit sollen auch gewerbsmäßige Sucher abgeschreckt werden. In vielen Waldgebieten bei Salzburg erhebt die zuständige Forstverwaltung bereits seit Jahren eine Gebühr von 15 Euro für 14 Tage Schwammerlsuche.  

Auch in Tirol werde über solch eine Regelung nachgedacht, sagte der Sprecher der Tiroler Bergwacht, Josef Egger. «Es ist ein wirklich großes Problem, wir haben hier sehr viele Italiener, die als professionelle Pilzsammler über die Grenze kommen», sagt er. Seit längerem habe das Land die erlaubte Sammelmenge auf zwei Kilo pro Person und Tag begrenzt. Am Wochenende ist die Bergwacht dann auf Pilz-Patrouille im Wald unterwegs und kontrolliert die Einhaltung der Regeln. «Bei einem österreichischen Pensionisten mit fünf Kilo im Korb drücken wir schon mal ein Auge zu, aber ein Professioneller wird gleich angezeigt», sagt Egger. 

Bei diesen «Pilz-Rodungen» durchkämmen nach seiner Schilderung drei bis vier Menschen planmäßig ein Waldstück und reißen alles aus, was sie finden können. Ein Experte sortiert hinterher aus, welche Pilze brauchbar sind - der Rest bleibt am Waldrand liegen. Auf diese Weise käme ein Sammler auf bis zu 50 Kilo Steinpilze, Pfifferlinge und Champignons am Tag. «Damit können sie irrsinnige Summen verdienen.» Reisebüros in Italien böten bereits Pilz-Reisen an, ganze Busse voll sammelwütiger Südländer erreichten momentan Tirol. «Man kann mit zwei Wochen Pilzesammeln so viel verdienen wie sonst in drei Monaten», sagt Egger. Wegen des feuchten und warmen Sommers sprössen die Schwammerl zudem momentan in ungewohnt großer Zahl aus der Erde.  

Für die Gegner der Pilz-Lizenz ist alles reine Geschäftemacherei ohne rechtliche Grundlage. «Nur der liebe Gott allein wäre berechtigt zu entscheiden, wer die Früchte des Waldes ernten darf», sagt Kärntens bekanntester Aktionist Reinhard Eberhart der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Naturschützer fürchten eine Kommerzialisierung des Waldes, für den bald insgesamt Eintritt erhoben werden könne. Und Tourismusmanager müssen bereits verstimmte Urlauber beruhigen. «Wir halten überhaupt nichts von Lizenzgebühren, dass ist doch lachhaft», sagt der Geschäftsführer der Koralpe Touristik GmbH in Kärnten, Klauf Hofstaetter. Das Ganze richte bereits Schaden an, da viele Touristen glaubten, dass nun überall in Kärnten Sammelgebühren fällig seien. Außerdem sei das Problem mit den professionellen Sammlern gar nicht so groß. Inzwischen hat sich Kärntens Landesregierung als Vermittler im Pilzstreit eingeschaltet.

Dein Kommentar wird unwiederruflich gelöscht!

0 Kommentare

Du musst eingeloggt sein um Kommentare abzugeben.
Feedback ist momentan nur als Mitglied möglich!
Feedback is temporarily only available for members!

Ich habe keinen IPAT-Account und möchte
"I Plant a Tree" über mein
Facebook Profil benutzen.

Mit Facebook anmelden

Ich habe bereits einen IPAT-Account und möchte diesen mit meinem
Facebook Profil verknüpfen.
Hierfür bitte vorher einloggen:

Mit Facebook verknüpfen