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31.01.2018 - von Christian Lingnau
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Wann wird ein Sturm für den Wald gefährlich?

Stürme können im Wald verheerende Schäden anrichten. Dabei spielen nicht nur die hohen Windgeschwindigkeiten eine Rolle.

Ob Wiebke, Kyrill, Xavier oder Friederike: Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 110 km/h sind für Wälder ein Problem. Doch nicht jeder Wald ist gleichermaßen betroffen. Wie groß das Gefahrenpotenzial am Standort ist, hängt vor allem von den Bodenverhältnissen und dem Bestand ab.

Mehrzahl der Bäume bricht ab 150 km/h

Bei starken Stürmen und Orkanen werden die Bäume entweder entwurzelt oder sie brechen um. Wissenschaftler der Universität Paris-Saclay haben in einer Studie herausgefunden, dass ab 150 km/h mehr als die Hälfte der Bäume bricht – und das unabhängig ihrer biomechanischen Eigenschaften. Alter, Form, Art, Struktur und Bodenverhältnisse spielen dabei offenbar kaum eine Rolle. „Diese Ergebnisse entsprechen einer evolutionären Anpassung im Lauf der Zeit, denn Windgeschwindigkeiten jenseits von 150 Kilometern pro Stunde sind auf der Erde sehr selten", so Hauptautor Emmanuel Virot. Mit anderen Worten: Für die ohnehin langlebigen Organismen lohnt es sich nicht, noch mehr Energie und Material in die Standfestigkeit zu investieren.

Sturmwürfe bei ungünstigen Bodenverhältnissen

Beim Sturmwurf wird der Baum entwurzelt. Hier ist der Boden ein wichtiger Faktor. In flachen Böden mit hohem Sandanteil (z. B. in Gebirgslagen) finden die Wurzeln weniger Halt als in tiefgründigen lehmigen Böden. Grundsätzlich gilt: Je feuchter, flachgründiger und grobkörniger der Boden ist, desto größer ist das Risiko, dass Bäume entwurzelt werden. Anhaltende Niederschläge weichen den Boden auf und erhöhen die Gefahr zusätzlich.

Daneben ist das Relief entscheidend. An Küsten, Geländekanten und Kuppen sowie oberen, in der Hauptwindrichtung geneigten Hanglagen weht der Wind besonders stark. Im hügeligen Bayerischen Wald kann man bis heute die Schneisen sehen, die Kyrill hinterlassen hat.

Fichten fallen besonders häufig

Stürmen fallen vor allem Fichten zum Opfer. Neben ihrer Anfälligkeit für Wurzelfäulnis ist ein Grund dafür das Flachwurzelsystem, das vergleichsweise wenig Halt bietet. Pfahlwurzler wie die Kiefer haben bessere Chancen, einem Sturm standzuhalten.

Die Fichte wurde zudem häufig in nicht standortgerechten Reinbeständen angebaut. Das macht sie noch anfälliger gegenüber Stürmen und Hitze- und Trockenperioden. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse ist der Anteil der Fichte in der deutschen Forstwirtschaft deshalb stark rückläufig.

Mischwälder haben höhere Widerstandsfähigkeit

Besseren Schutz bieten stufige Mischbestände mit mehreren Baumarten und ungleichaltrigen Individuen. Ihre Widerstandsfähigkeit steigt dabei mit dem Bestockungsgrad. Das heißt im Umkehrschluss: Jede Durchforstung erhöht die Anfälligkeit für Sturmschäden. Je nach Umfang der Maßnahme und dem Standort dauert es Jahre, bis der Bestand seine Widerstandsfähigkeit wiederhergestellt hat.

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