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08.06.2017 - von Christian Lingnau
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Wie der Klimawandel die Wälder beeinflusst

Aktuelle Studien zeigen, welche Auswirkungen steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit auf Waldökosysteme haben. Demnach erhöht der Klimawandel das Stressniveau der Wälder und führt zu einer Verschiebung der Baumartenzusammensetzung.

Stress und Störungen nehmen zu

In einer auf über 600 Forschungsarbeiten der letzten 30 Jahren basierenden Studie hat ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden, dass die Risiken für Wälder infolge des Klimawandels weiter zunehmen werden. „Durchtränkt mehr Regen die Waldböden oder sind diese seltener gefroren, dann haben die Bäume bei Sturm weniger Halt und die Schäden nehmen zu. Die vielen toten und absterbenden Bäume bieten wiederum ein ideales Brutmaterial für eine rasche Vermehrung von Insekten wie zum Beispiel Borkenkäfern. Gleichzeitig sind auch die noch lebenden Bäume geschwächt, sodass sie anfälliger für Insektenbefall sind“, erklärt Leitautor Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur in Wien.

Zu viele Störungen schwächen die Wälder

Grundsätzlich sind natürliche Störungen für den Wald nicht ungewöhnlich oder problematisch. Jeden Sommer verbrennen beispielsweise im Yukon Territorium (Alaska) und in Sibirien Tausende Quadratkilometer Wald. Dabei gelangen Nährstoffe in den Boden und Pionierarten können die Freiflächen besiedeln. Die initiale Zerstörung begünstigt in diesen Fällen also eine Erhöhung Biodiversität. „Doch diese gewohnten Störungen haben sich in den letzten Jahren durch den Klimawandel bereits verändert“, so Projektleiter Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Verstärke der Klimawandel die Störungen immer weiter, könnte dies die Widerstandsfähigkeit schwächen und langfristig dazu führen, dass sich die Ökosysteme gravierend verändern.

Baumartenzusammensetzung ändert sich

Eine Studie über die Baumartenzusammensetzung in den USA zeigt, dass die Wälder bereits auf den Klimawandel reagieren. Auf Basis von Bestandsaufnahmen seit den 1980er Jahren haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass die meisten Bäume mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Jahrzehnt nach Westen gewandert sind. Dem Autor der Studie Songlin Fei zufolge verlagern viele Laubbäume ihren Lebensraum nach Westen, während sich immergrüne Nadelbäume Richtung Norden ausbreiten. Laubbäume wie Ahorn und Eichen vertragen keine Trockenheit und reagieren daher sensibel auf Veränderungen der Wasserverfügbarkeit. Der Westen der USA ist in den vergangenen Jahrzehnten tendenziell feuchter geworden, während gerade der Südosten trockener wurde und immer häufiger unter Dürren leidet.

Jede Baumart reagiert anders

„Diese Studie zeigt jetzt zum ersten Mal, dass Bäume auf Veränderungen in der Wasserverfügbarkeit tatsächlich stärker reagieren als auf Temperaturveränderungen“, so Rodney Keenan, Professor für Wald- und Ökosystemforschung an der Universität von Melbourne in Australien. Prognosen würden dadurch aber erschwert, weil sich der Einfluss des Klimawandels auf die Temperaturen leichter modellieren lasse als Niederschläge. Wenn man die Ergebnisse auf andere Weltregionen übertragen will, müsse man die Reaktionen der dortigen Baumarten auf Temperatur- und Feuchteveränderungen verstehen.

Beispiel Fichte: In den europäischen Wäldern, die fast ausschließlich Forsten sind, wird ihr Anteil wohl stark zurückgehen. Trockenheit und Wärme bekommen der Fichte nicht. Sie wird vor allem in höheren Lagen angebaut und ist als sogenannter Flachwurzler besonders anfällig für Sturmschäden.

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