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03.05.2017 - von Christian Lingnau
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Gebrauchsanweisung für den Wald

In seinem neuen Buch zeigt Peter Wohlleben, wie wir im Wald Spuren lesen, im Notfall überleben und warum querfeldein Laufen fast überall erlaubt ist. Die Gebrauchsanweisung ist eine gelungene Mischung aus Waldwissen und Unterhaltung.

Jagdaufseher sind keine Förster

Zum Beispiel haben nicht alle „Herren in Grün“ die polizeilichen Befugnisse eines Försters. Nur der hat nämlich das Recht und die Pflicht, Ordnungswidrigkeiten und Straftaten im Wald zu verhindern bzw. zu verfolgen. Meist sind es aber Jagdaufseher, die Spaziergänger ermahnen oder irgendwelche Verbote aussprechen. Letztlich wollen sie nur verhindern, dass das Wild verschreckt wird und das Warten auf dem Hochsitz dann umsonst war. Das ist nachvollziehbar, berechtigt aber zu gar nichts – auch dann nicht, wenn an der Windschutzscheibe des Geländewagens ein Schild mit „Jagdschutz“ oder „Forstwirtschaft“ hängt. Wohlleben empfiehlt, sich in solchen Fällen den Dienstausweis zeigen zu lassen.

Dem Wolf auf der Spur

Im Kapitel „Spurensuche“ geht es um Abdrücke und Hinterlassenschaften der Tiere. Am besten funktioniert das natürlich bei Schnee. In bekannten Wolfsrevieren lohnt sich genaues Hinsehen: Liegen die Spuren auf einer Linie, könnte es ein Wolf gewesen sein. Dabei setzen Wölfe die Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten. Aus Bequemlichkeit nutzen sie gern Wanderwege. Sind in der Nähe etwa gleich alte Fußspuren zu finden, war es wohl doch ein Hund mit seinem Besitzer. Aufschlussreich ist außerdem der Kot: Das verdaute Dosenfutter der Hunde ist meist einheitlich, strukturlos und braun. Der Kot der Wölfe hingegen ist mit Haaren und Knochenresten durchsetzt.

Ist es wirklich Liebe?

So lautet das Kapitel über die sonderbare Beziehung des Menschen zum Wald. Der Autor beginnt mit der Beobachtung, dass wir uns nach einer langen Wanderung durch den dunklen Wald doch vor allem über eine Lichtung freuen – deren wesentliche Eigenschaft ja die Abwesenheit von Bäumen ist. „Mögen wir also in Wahrheit gar keinen Wald, sondern lediglich einzelne, imposante Bäume?“, fragt Wohlleben.

Der Grund: Ursprünglich aus der trocken-heißen Steppe kommend, verfügt der Mensch mit seinen Schweißdrüsen, dem aufrechten Gang und ausgezeichnetem Sehsinn über optimale Eigenschaften für die Jagd im Offenland. Im Wald herrschen aber ganz andere Bedingungen: Hier ist es kühl und überall stehen Bäume im Weg. Durch die schlechte Sicht sind Nase und Ohren wichtiger als Augen. Deshalb haben Menschen nie im Wald gesiedelt, sondern erstmal gerodet. Die heutigen Kulturlandschaften ähneln folglich mehr den Steppen unserer Vorfahren als den ursprünglichen Waldlandschaften.

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen

Dieser Spruch kommt daher, dass bei Gewittern Eichen im Gegensatz zu Buchen anscheinend häufiger vom Blitz getroffen werden. Wohlleben betont, dass die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags bei beiden Baumarten in Wirklichkeit gleich ist. Die Buche hat nur eine glattere Rinde. Der Blitz wird so über das abfließende Regenwasser in den Boden geleitet. Bei der groben, schlecht leitenden Borke der Eiche wählt der Blitz den Weg über die kleinen Wasserleitungen innerhalb des Stamms. Doch die sind mit der elektrischen Ladung überfordert, so dass es zum Knall kommt. Bei Gewitter sollte man generell alle großen und exponierten Bäume meiden.

Auf in den Wald!

Peter Wohllebens Gebrauchsanweisung enthält keine Bilder, kein Glossar oder eine systematische Gliederung. Das Buch ist nicht wissenschaftlich, sondern unterhaltsam und informativ. Bis auf die ersten Seiten, in denen es banal ums Querfeldeinlaufen geht, machen die 229 Seiten Spaß und Lust auf Wald. Der Schreibstil des Autors ist angenehm, die Themen sind gut gewählt und praxisnah. Fazit: Empfehlung für alle, die gern im Wald unterwegs sind!

 

Die „Gebrauchsanweisung für den Wald“ ist im Piper Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 15 Euro.

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