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Mar 24, 2017 - by Christian Lingnau
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Earth Hour: Smarthone statt Licht ausmachen

Am 25. März um 20.30 Uhr machen viele Menschen wieder für eine Stunde das Licht aus, um ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Warum es passender wäre, diese Zeit offline zu verbringen.

Die vom WWF initiierte Earth Hour findet dieses Jahr bereits zum elften Mal statt. Rund 7.000 Städte in mehr als 170 Ländern sind inzwischen dabei. Angesichts von Trump und Brexit scheint das Motto „Klimaschutz geht gemeinsam!“ aktueller denn je. Konkrete Auswirkungen auf das Klima hat die Kampagne aber kaum. Viel ressourcenhungriger als Lampen sind Streaming-Dienste und Suchmaschinen.

Lampen sind nicht die Stromfresser

Strom sparen durch Licht ausmachen klingt schlüssig – bringt aber nicht viel, weil die Beleuchtung in Privathaushalten nur ein Bruchteil des Verbrauchs ausmacht. Der Strombedarf eines 4-Personen-Haushalts liegt in Deutschland bei rund 4.100 kWh. Pro Stunde werden somit im Schnitt 468 Watt verbraucht. Eine LED-Lampe verbraucht aber nur rund 9 Watt. Die eigentlichen Stromfresser sind nicht die Lampen, sondern Haushaltsgeräte wie Elektroherd und Kühlschrank.

Wir verbrauchen Strom in Rechenzentren

Und obwohl die Technik heute effizienter ist als früher, verbrauchen wir nicht weniger Strom. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das Niveau seit den 1990er Jahren stagniert. Dafür verantwortlich ist der sogenannte Rebound-Effekt: Die Effizienzgewinne werden aufgefressen, weil sie die Preise senken und damit den Konsum in die Höhe treiben.

In einem lesenswerten Aufsatz zeigt Tilman Santarius, wie die Digitalisierung diesen Trend noch verstärkt. Smartphones, Streaming- und Cloud-Dienste und das aufkommende Internet der Dinge (IoT) basieren auf einer wachsenden, ressourcenhungrigen Infrastruktur. Die Endgeräte können noch so effizient sein – es werden aber immer mehr und wir nutzen sie immer intensiver. Der Unterschied zu früher besteht darin, dass sich der Stromverbrauch von den Endbenutzern zu den Rechenzentren verlagert.

Earth Hour zur Offline Hour machen

Die erste Earth Hour fand vor zehn Jahren statt. 2007 war die Glühbirne noch Standard und mit dem iPhone kam das erste Smartphone auf den Markt. Mit der technologischen Entwicklung haben sich unsere Verbrauchsgewohnheiten geändert. Heute sollten wir uns mehr auf die Folgen des Internetkonsums konzentrieren. Passender wäre also eine Offline Hour, d. h. eine Stunde ohne Smartphone und Tablet. Das wäre zwar weniger symbolträchtig, aber ein guter Anfang das eigentliche Problem anzugehen.

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