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05.10.2016 - von Christian Lingnau
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Wie die Spätblühende Traubenkirsche den Wald bedroht

Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Baum ist für viele Forstreviere ein massives Problem. Im Wald von Berlin-Friedrichshagen zeigt die jahrelange Bekämpfung jedoch allmählich Wirkung.

Vorteile gegenüber heimischen Bäumen

In Mitteleuropa wächst die Spätblühende Traubenkirsche meist als dichte, bis zu 20 Meter hohe Strauchdecke. Sobald der Bestand aufgelichtet wird, schießt sie in die Höhe. In der Folge entsteht eine dichte Strauchschicht, unter der zu wenig Licht für den Nachwuchs anderer Baumarten bleibt. Auf diese Weise kann sich der Wald nicht mehr natürlich verjüngen – mit gravierenden Folgen für die Artenzusammensetzung und die Forstwirtschaft.

Verschärft wird das Problem durch Eigenschaften, die dem Neophyten Vorteile gegenüber der heimischen Konkurrenz verschaffen. Als raschwüchsiger Pionierbaum benötigt die Traubenkirsche eigentlich viel Licht. Im Gegensatz zu Birke oder Wald-Kiefer kann sie aber auch mehrere Jahre bei nur 10 Prozent Lichtverfügbarkeit überleben. Anspruchslos ist sie auch was den Standort angeht: Auf sandigen, nährstoffarmen Böden fühlt sie sich besonders wohl.

Hinzu kommt ihre hohe Reproduktion. Die Spätblühende Traubenkirsche kann unter optimalen Bedingungen bereits nach fünf Jahren fruktifizieren und dann jährlich 8.000 Samen produzieren. Die Früchte werden von Vögeln und Säugetieren gefressen und verteilt. Verstärkt wird die Ausbreitung durch die vegetative Reproduktion über Wurzelausläufer (Wurzelbrut).

Der Neophyt hat einen weiteren, indirekten Vorteil: Durch seinen hohen Blausäuregehalt werden seine Blätter und Knospen vom Wild verschmäht. Somit kann er seine Ressourcen komplett in Wachstum und Reproduktion investieren, während junge Eichen und Buchen permanent unter gefräßigen Rehen zu leiden haben.

Bekämpfungsmethoden

Um die Spätblühende Traubenkirsche zurückzudrängen, haben Forstleute und Wissenschaftler in den vergangenen Jahren vieles probiert: Traubenkirschen wurden gefällt, gerodet, geringelt, mit Roundup und giftigen Pilzen behandelt. In vielen Fällen war die Bekämpfung trotz des hohen Aufwands wenig effektiv. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, müssen je nach Standort ggf. mehrere Verfahren über einen Zeitraum von mindestens 5-6 Jahren angewendet werden.

Auf der Projektfläche Berlin-Friedrichshagen I arbeiten wir mit dem Forstamt Köpenick zusammen. Dort ist es durch konsequenten Einsatz mit Macheten und Astscheren gelungen, die Vitalität der Traubenkirsche deutlich zu reduzieren. Langsam werden die gepflanzten Buchen groß genug, um sich ihrerseits gegen die Traubenkirschen durchzusetzen. Die waldbauliche Methode der Beschattung wirkt langfristig erfolgversprechend.

Hilf uns!

Das Forstamt Köpenick leistet mit seinen Helfern den Großteil der Arbeit in Berlin-Friedrichshagen. Um sie dabei zu unterstützen, organisieren wir regelmäßig Einsätze mit Freiwilligen. Die nächste Aktion findet am kommenden Wochenende statt. Alle Infos und einen Link zu Anmeldung gibt es hier: https://www.iplantatree.org/article/id/1687. Wir würden uns freuen, wenn du mit anpackst!

 

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