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11.03.2014 - von Christian Lingnau

Schon mal mit Chiemgauer bezahlt?

In den bayerischen Landkreisen Rosenheim und Traunstein können Verbraucher nicht nur mit Euro zahlen. Wir stellen den Chiemgauer vor, eine der erfolgreichsten Regiowährungen überhaupt.
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Quelle: Chiemgauer e.V.
Viele verbinden mit dem Euro höhere Preise, Finanzkrise, Staatsverschuldung. Dadurch werden regionale Alternativen wie der Chiemgauer attraktiver. Hier bleibt das Geld vor Ort - und das ohne Zinsen.

Vorteile für Verbraucher und Unternehmen

Als Regiowährung wird der Chiemgauer nicht von Banken, sondern vom Trägerverein herausgegeben. Der Chiemgauer kann dort 1:1 gegen Euro gekauft, jedoch nicht zurück getauscht werden. Verbraucher profitieren trotzdem, da sie beim Einkauf einen Rabatt von drei Prozent erhalten. Kaufen können Sie damit bei teilnehmenden Unternehmen alles, was sich auch mit dem Euro bezahlen lässt: die Pizza im Restaurant, den neuen Computer oder auch Theaterkarten.

Unternehmen können den Chiemgauer gegen eine Gebühr in Euro zurück tauschen. Laut Chiemgauer e.V. versuchen die meisten Händler jedoch die fünf Prozent zu sparen und beziehen deshalb lieber Leistungen aus dem Chiemgauer-Netzwerk. Dieser Effekt sei ein wesentliches Ziel des Projekts. Mit anderen Worten: Das Geld bleibt vor Ort, neue Beziehungen werden aufgebaut und gefestigt. Ein Teil der Tauschgebühr geht an gemeinnützige Vereine und Projekte – an welche, entscheiden die Kunden übrigens selbst.

Umlaufsicherung gegen Zins und Spekulation

Der kürzlich verstorbenen Kapitalismus-Kritikerin Margrit Kennedy zufolge lässt der Zinseszins-Effekt die Geldvermögen exponentiell wachsen. „An den Zinsen verdienen nur 10% der Bevölkerung. 90% der Menschen verlieren über die Zinsen, die in allen Preisen und Steuern enthalten sind.“ Diese Umverteilung betrage allein in Deutschland rund 600 Millionen Euro pro Tag. Ihr Fazit: „Wir haben nicht ein vorübergehendes Finanzproblem, sondern ein systemisches Problem.“

Aus diesem Grund haben Regiowährungen wie der Chiemgauer eine Umlaufsicherung. Verbraucher müssen nicht weitergegebene Scheine alle drei Monate um zwei Prozent mit Klebemarken aufwerten. Auf diese Weise wird ein Anreiz geschaffen, den Chiemgauer zu investieren und nicht zu sparen. Für Währungen typische Spekulations- und Zinsgeschäfte werden so verhindert.

Umweltnutzen fraglich

Die Kehrseite der Umlaufsicherung ist, dass sie Verbraucher praktisch zum schnellen Konsum zwingt. Ökologisch fraglich ist zudem, ob die Stärkung regionaler Kreisläufe tatsächlich zu kürzeren Transportwegen führt. Umweltbewusste Verbraucher werden schon vor Einführung des Chiemgauers auf die Herkunft ihrer Produkte geachtet haben. Zumindest ist davon auszugehen, dass das Bewusstsein der Verbraucher für regionales Wirtschaften steigt.

Unabhängig davon ist die oberbayerische Währung ein Erfolgsmodell: Rund 2.600 Verbraucher und über 600 Unternehmen nutzen ihn inzwischen als Zahlungsmittel. Der Chiemgauer-Umsatz aller Unternehmen ist in zehn Jahren von 76.000 Euro auf 6,6 Millionen Euro (2012) gestiegen. Davon profitieren viele gemeinnützige Organisationen in der Region. Und schließlich auch die Mitglieder, denn für die gibt es neuerdings den Chiemgauer-Strom - zu 100% aus Wasserkraft.

Weitere Infos dazu gibt es hier: http://www.chiemgauer.info/

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