zurück


27.03.2013 - von Christian Lingnau

Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand

In seinem neuen Buch ruft Harald Welzer zum Widerstand gegen vermeintliche Alternativlosigkeiten auf. Im Gespräch mit 3sat erklärt der Sozialpsychologe außerdem, warum Veränderung Freude macht und machen muss.
image

Unsere Wirtschaft ist darauf eingestellt, dass alles unendlich vorhanden ist. Weil die Realität bekanntlich anders aussieht, müssen wir uns ziemlich deutlich umstellen. In „Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand“ fragt Harald Welzer: Können wir die Veränderung durch Gestaltung machen oder wird der Druck von außen so groß, dass wir nur noch reagieren können?

Nichts ist alternativlos

Um den verbleibenden Spielraum zu nutzen, sollten wir nicht auf Politiker warten. Die Phrase von der Alternativlosigkeit hält Welzer für gefährlich: „Wenn Politiker von Alternativlosigkeit sprechen, sprechen sie antidemokratisch. Demokratie ist der Sache nach eine Abwägung von Alternativen. In einer demokratischen Gesellschaft kann es nichts Alternativloses geben.“ Im Moment herrsche eine Diktatur der Gegenwart, in der aus aktuellen Problemen weitreichende Entscheidungen ableitet werden – ohne einmal darüber gesprochen zu haben, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.

Jeder hat einen Handlungsspielraum

Welzer betrachtet es als Privileg, in einer Gesellschaft mit demokratischen und sozialstaatlichen Prinzipien zu leben. Hier zu sagen: „Ich kann nichts machen“ ist für den Autor eine arrogante und bequeme Behauptung. Niemand von uns habe den Auftrag bekommen die Welt zu retten. Doch egal ob Schüler, Student, Arzt, Facharbeiter, Journalist oder Wissenschaftler: Jeder hat einen (unterschiedlich großen) Handlungsspielraum. „In einer Gesellschaft wie unserer – und das ist eine zivilisatorische Errungenschaft ohnegleichen – hat jeder die Möglichkeit in einem bestimmten Rahmen Dinge anders zu machen, als sie ihm vorgegeben werden.“

Folglich argumentiert Welzer positiv. So könne man sich eine Stadt ohne Autos vorstellen, weil sie öffentlicher Raum ist, nicht stinkt und niemand überfahren wird. Klimawandel, Apokalypse und Weltuntergang müssten dabei überhaupt nicht erwähnt werden. Man müsse die Argumentation also umkehren und sich fragen: In welcher Welt will ich eigentlich leben? Veränderung sollte von einem positiven Ansatz ausgehen.

Veränderung muss Spaß machen

In seiner Anleitung zum Widerstand stellt der Wissenschaftler 12 Regeln auf. Die letzte besagt, dass dieser Spaß machen muss um zu gelingen. Das habe einen einfachen psychologischen Grund: „Wenn man etwas tut und damit jemand anderen ansteckt, sprechen Psychologen von Selbstwirksamkeit. Das Gefühl: Ich habe etwas bewegen können ist eine angenehme Erfahrung. Wenn man einmal beginnt, etwas anders zu machen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man es auch in Zukunft anders macht. Und das geht tatsächlich nur, wenn man Spaß daran hat.“

Harald Welzer ist Direktor der gemeinnützigen Stiftung FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit in Berlin und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg . „Selbst denken Eine Anleitung zum Widerstand“ ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro.

ähnliche Artikel:

Dein Kommentar wird unwiederruflich gelöscht!

0 Kommentare

Du musst eingeloggt sein um Kommentare abzugeben.
Feedback ist momentan nur als Mitglied möglich!
Feedback is temporarily only available for members!

Ich habe keinen IPAT-Account und möchte
"I Plant a Tree" über mein
Facebook Profil benutzen.

Mit Facebook anmelden

Ich habe bereits einen IPAT-Account und möchte diesen mit meinem
Facebook Profil verknüpfen.
Hierfür bitte vorher einloggen:

Mit Facebook verknüpfen