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Mar 2, 2012 - by Christian Lingnau

Kahlschlag im Spessart?

Im Spessart werden uralte Bäume gefällt. Laut Greenpeace verstoßen die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) dabei gegen geltende Wald- und Naturschutzbestimmungen. Das zuständige Forstamt weist die Vorwürfe zurück.
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Foto: Wald von Biosphäre [ CC BY-NC-SA 2.0 ]

Das Mittelgebirge Spessart, zwischen Vogelsberg und Rhön sowie Odenwald in den Bundesländern Bayern und Hessen gelegen, gehört zu den schönsten Wäldern Mitteleuropas. Das liegt nicht zuletzt auch am stolzen Alter seiner Bäume: viele Buchen sind rund 180 Jahre, selbst 400-jährige Eichen sind keine Seltenheit.

Im bayerischen Teil haben Greenpeace-Aktivisten nun einen Monat lang Karten der Bestände erstellt und dabei mehr als 10.000 Bäume gezählt, die älter als 140 Jahre sind. Anders geht es auch gar nicht: „Bayern ist das einzige Bundesland, das keine Daten darüber offenlegt, wo und wann es Waldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung nehmen will“, sagt Projektleiter Wolfgang Sadik. Dabei verpflichte die Nationale Strategie über Biologische Vielfalt von 2010 die Länder genau dazu. Stattdessen will Greenpeace die erhobenen Daten demnächst in einem Report veröffentlichen.

Schon jetzt ist klar: auch dicke, alte Bäume werden im Spessart geschlagen. Dabei wird offenbar auch das wertvolle Totholz abtransportiert. Greenpeace zufolge werden anschließend oftmals standortfremde Douglasien gepflanzt. Der Nadelbaum aus Kanada wächst wesentlich schneller und gilt damit als besonders gewinnbringend. Die Umweltschützer sehen darin einen Verstoß gegen die europäische Natura-2000-Richtlinien und das Bundesnaturschutzgesetz.

Die staatliche Forstaufsicht weist die Vorwürfe zurück. In keinem einzigen der von Greenpeace geschilderten Fälle seien Verstöße gegen wald- oder naturschutzrechtliche Vorgaben festzustellen. Die kritisierten Maßnahmen seien vielmehr Teil der seit Jahrhunderten bewährten Waldverjüngung und Durchmischung. Und die Douglasie sei inzwischen seit über 100 Jahren im Spessart beheimatet und werde lediglich auf bis zu sieben Prozent der Fläche gepflanzt.

Am 21. März soll es eine Diskussionsrunde geben. Greenpeace hat dazu auch die Bayerischen Staatsforsten eingeladen.

 

Autor: Christian Lingnau

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