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Feb 15, 2012 - by Christian Lingnau

Nachhaltige Forstwirtschaft rechnet sich

Einem hartnäckigen Vorteil zufolge ist nachhaltige Waldbewirtschaftung ökonomisch nicht tragbar. In einem Interview erklärt der ehemalige Forstdirektor Lutz Fähser, warum diese Form der Forstwirtschaft sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Fähser hat den Stadtwald Lübeck 23 Jahre lang nachhaltig bewirtschaftet.
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Foto: Wald von Biosphäre [ CC BY-NC-SA 2.0 ]

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist derzeit stark in Mode. Dabei stammt die Idee nachhaltigen Wirtschaftens ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts. Bereits 1713 schrieb Hans Carl von Carlowitz von einer „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder. Heute versteht man unter Nachhaltigkeit „die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann“.

Dennoch gibt es gerade unter Waldbesitzern das Vorteil, nachhaltige Forstwirtschaft würde sich nicht rechen. In seiner langjährigen Zeit als Forstdirektor hat Lutz Fähser andere, positive Erfahrungen gemacht. In einem lesenswerten Interview auf greenpeace.de nennt er folgende Voraussetzungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung:

1. Naturnähe: Wälder sollten demnach möglichst so bewirtschaftet werden, dass ihre grundlegende Strukturen nicht verändert werden.

2. Suffizienz: Damit das System nicht überfordert wird, dürfe nur so viel entnommen werden, wie die Natur langfristig bereitstellen kann.

3. Minimumprinzip: Das Ausmaß menschlicher Eingriffe sollte möglichst gering sein, um eine Störung des Ökosystems zu verhindern.

Fähser ist überzeugt, dass die deutsche Forstwirtschaft in vielen Teilen unrentabel ist, gerade weil sie nicht mit, sondern gegen die Natur arbeitet. Das Ökosystem Wald sei unbekannt, hoch komplex und flexibel. Regulierungsmaßnahmen würden die Produktivität der Natur nur einschränken. Folglich solle man das System weitestgehend sich selbst überlassen.

Die Entwicklung der heimischen Wälder beobachtet der ehemalige Forstdirektor mit Sorge. Steigender Energiebedarf vor allem asiatischer Länder, Export und zunehmende Ansprüche an den Baum als CO2-Speicher setzten die Wälder unter Druck. Als Reaktion auf den Klimawandel würden zudem immer mehr hitzeresistente, schnell wachsende Baumarten importiert. Dieser Wandel von natürlichen, heimischen Wäldern zu künstlichen Plantagen mit fremden Arten sei dabei überhaupt nicht notwendig.

Das zweiteilige Interview findet ihr hier.

 

Autor: Christian Lingnau

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