zurück


16.11.2011 - von Christian Lingnau

Antibiotika für alle

Wie eine Studie des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums zeigt, bekommen fast alle Masthähnchen Antibiotika verabreicht. Dies kann selbst bei Konsumenten, die kein Geflügel essen, zu gefährlichen Resistenzen führen. Kritiker fordern strengere Kontrollen sowie Verschreibung und Verkauf von Antibiotika zu entkoppeln.
image
Foto: Hähnchen von Mark Henckel [ CC BY-NC-SA 2.0 ]

Mehr als 96 Prozent aller Masthähnchen bekommen Antibiotika. Dabei bekommen die Tiere bis zu acht verschiedene Medikamente verabreicht. In jedem zweiten Fall erfolgt die Behandlung für einen effektiven Schutz vor Mikroben zu kurz. Das lässt darauf schließen, dass die Substanzen auch zum verbotenen Wachstumsdoping eingesetzt werden. So lautet das Ergebnis einer Untersuchung des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium Johannes Remmel.

Wissenschaftler warnen vor dem regelmäßigen Einsatz von Antibiotika, weil er die Entstehung multiresistenter Keime fördert. Und das ist nicht nur für Verbraucher gefährlich, die Hähnchenfleisch verzehren. Vielmehr können Bakterien von den Mastanlagen in die Umwelt gelangen und sich weiter verbreiten. Wird ein Mensch von solchen Keimen infiziert, bleibt jedes Antibiotikum wirkungslos.

Für Remmel sind die Ergebnisse auf ganz Deutschland übertragbar. Der massive Einsatz von Antibiotika lasse nur folgende Schlussfolgerungen zu: „Entweder es handelt sich um Wachstumsdoping - was seit 2006 europaweit verboten ist. Oder aber das System der Tiermast ist derart anfällig für Krankheiten, dass es ohne Antibiotika nicht mehr auskommt.“ Er fordert daher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner zügige Gesetzesänderungen, um den Einsatz von Antibiotika einzudämmen.

Kritiker sehen das Hauptproblem darin, dass Tierärzte von den katastrophalen Haltungsbedingungen insbesondere in den großen Mastanlagen profitieren. Dort könnten die Masttiere in vielen Fällen nur noch durch den intensiven Einsatz von Medikamenten bis zur Schlachtung überleben. Und davon profitieren die Tierärzte, weil sie nach derzeitiger Gesetzeslage Medikamente nicht nur verschreiben, sondern auch an deren Verkauf verdienen. Das Beispiel Dänemark zeige, dass die „ Entkoppelung von Verschreibung und Verkauf vor 15 Jahren dazu geführt (hat), dass schon ein Jahr danach der Antibiotika-Verbrauch um 40 Prozent gesunken war“, so Reinhild Benning vom BUND.

Dein Kommentar wird unwiederruflich gelöscht!

1 Kommentar

  1. Mayer's_nailstudio / 11.12.2011 13:05:21 Uhr

    Das gibt es wenn alle nur BILLIG Fleisch wollen. in der Schweiz krigen ein grossteil der Masthänchen keine Antibiotka.
    Leider könnte sich solches ändern wenn wir Feihandel mit immer mehr Länder der Welt haben. Denn mit unseren Vorschriften und Richtlienien kann nicht so Billige Produkte hergestelt werden.

Du musst eingeloggt sein um Kommentare abzugeben.
Feedback ist momentan nur als Mitglied möglich!
Feedback is temporarily only available for members!

Ich habe keinen IPAT-Account und möchte
"I Plant a Tree" über mein
Facebook Profil benutzen.

Mit Facebook anmelden

Ich habe bereits einen IPAT-Account und möchte diesen mit meinem
Facebook Profil verknüpfen.
Hierfür bitte vorher einloggen:

Mit Facebook verknüpfen