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07.10.2011 - von Micha
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© epSos.de

Von welchen Firmen darf man Spenden annehmen?

Wir stehen oft vor diesen Fragen. Was ist in unserem Sinne positiv, ökologisch, nachhaltig? Auf einer Skala von Gut und Böse kann man ja immer feinere Linien ziehen. Wer darf uns Geld spenden und wer nicht? Wo ziehen wir für uns und unsere Plattform die Grenze? Dem WWF ist die Zusammenarbeit mit Firmen, möglicherweise auch durch ungenügende Antworten auf diese Fragen, auf die Füsse gefallen.

Um es mal ganz plastisch zu machen:

Wir würden wahrscheinlich alle ehrlich und entrüstet auf die Spenden einer Rüstungsfirma verzichten, die für jedes produzierte Gewehr (wahlweise: für jeden erschossenen „Terroristen“ oder ausgelieferten Panzer) einen Baum pflanzen will. Wir verzichten sicher mit aus tiefsten Herzen kommender Vehemenz auch auf Offerten einer Ölfirma, die für jede geborstene Pipeline eine kleine Ausgleichspflanzung machen möchte.

Andere Entscheidungen liegen nicht so eindeutig: Dürfen wir Geld von Druckereien annehmen, die ihren Papierverbrauch (zumindest symbolisch) in Bäumen ausgleichen wollen?  Ein Skiverband, der seine Mitglieder dazu aufruft bei uns Bäume zu pflanzen, obwohl durch die Skifahrerei ja doch irgendwann mal Bäume sterben mussten. Und diese Mitglieder ja freilich weiter Ski fahren werden.... Darf ein Maschinenbauer Partner/Sponsor von gemeinnützigen, ökologischen Organisationen sein, weil er Maschinen für die Automobilindustrie herstellt? Vielleicht, vielleicht auch nicht – kommt drauf an. Oder?

Ein Fahrradhersteller ist unbedenklich – oder vielleicht doch nicht? Weil er Ressourcen verbraucht, weil er Stahl benötigt, weil er Gummi verwendet. Am Ende vielleicht sogar, weil er ein „böser Kapitalist“ ist. Der Stahlhersteller ist als Spender abzulehnen, weil er Stahl herstellt und massiv die Umwelt verschmutzt – aber der Fahrradhersteller, der diesen Stahl verwendet, ist es nicht? Hmm.

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, kommen einige Firmen auf uns zu, welche unser Logo etc. innerhalb einer Kampagne verwenden möchten oder zumindest auf ihrer Webseite zu werben, dass sie über uns Bäume pflanzen. Uns stellt sich dann konkret immer wieder die Frage: Was ist moralisch? Wo ziehen wir die Grenze? Viele Diskussionen im kleinen Kreis führen im Einzelfall zu Ergebnissen  - allerdings wäre es interessant diese Diskussion mit einer größeren Gruppe zu führen – nämlich mit Euch, unseren Fans, Spendern und Unterstützern.

Ein Beispiel, welches wir beispielsweise abgelehnt haben: eine Tabakfirma wollte uns einen sehr grossen Betrag an Euro geben, um Bäume zu pflanzen. Bedingungslos. Alles was wir tun müssen, ist unser Logo für eine Kampagne für die Markteinführung einer nachhaltig produzierten Sorte hergeben.

Contra:
  • Die Tabakindustrie ist verantwortlich für den Tod von Rauchern und deren Mitmenschen auf der ganzen Welt
  • Wir verschaffen der Tabakindustrie ein grünes Mäntelchen um von Anbaumethoden abzulenken, die (das wäre ein eigenes Kapitel) massiv der Umwelt schaden.
  • Wir schaden unserem Ruf. (siehe WWF)


Pro:

  • Wir könnten mit dem Geld viele  Hektar neuen Wald schaffen.  
  • Wir könnten versuchen durch unseren Kontakt zum Management des Tabakkonzerns möglicherweise eine wirkliche Änderung der Firmenpolitik zu mehr Nachhaltigkeit/ Ökologie erwirken (hallo... wir wissen, dass das unrealistisch ist ... aber man weiss ja nie)
  • Wir könnten neue Projekte finanzieren und unsere Organisation auf stabilere finanzielle Beine stellen – und damit noch mehr Gutes tun.

Die Grenze haben wir bei diesem Einzelfall gezogen, aber wo liegt Sie wirklich? das würden wir gern mit Euch besprechen. Wir freuen uns auf Eure Diskussionsbeträge. Versucht sachlich und offen zu diskutieren. Dogmatiker aller Länder, entkrampft Euch!

 

  • 1. Ja, Iplantatree soll von allen Firmen Geld annehmen. Ein Baum ist besser als kein Baum.
  • 2. Jein, Iplantatree sollte nur von solchen Firmen Geld annehmen, die eine ökologische, nachhaltige Firmenphilosophie fest verankert haben und diese auch nachprüfbar gelebt wird.
  • 3. Nein, Iplantatree sollte von keiner Firma Geld annehmen., selbst wenn keine Bedingungen daran geknüpft sind.
  • 4. Es gibt eine andere Lösung und ich schreibe in den Kommentaren was dazu.

 

Wie sollte IPlantAtree vorgehen?
1. Ja, Bäume sind besser als keine 39%
2. Jein, wir sollten genau prüfen 58%
3. Nein, wir sollten kein Geld von Firmen nehmen 1%
4. anderer Vorschlag 0%

Dein Kommentar wird unwiederruflich gelöscht!

8 Kommentare

  1. Micha / 07.10.2011 22:20:48 Uhr

    freuen uns auf Eure Kommentare. Wäre cool, wenn ihr uns Eure meinung sagt.

  2. kellerlanplayer / 08.10.2011 15:21:58 Uhr

    Der WWF ist nur über seine eigenen Füße gestolpert, weil er Zertifikate herausgegeben hat, die zu lasch oder gar nicht kontrolliert wurden und so den Verbraucher in die Irre geführt haben. 

    Euer Fall wiegt da meines Erachtens anders. Dafür das Leute rauchen könnt ihr nichts, wenn ein Tabakkonzern jetzt eine nachhaltige Sorte einführen will ist das per se für die Umwelt schon einmal gut. 
    Ihr solltet bloß nicht den Leuten suggerieren, raucht mehr, damit es mehr Bäume gibt. Aber wenn ihr offen und ehrlich kommuniziert, die Marke wäre so oder so herausgekommen und wenn wir das Geld nicht angenommen hätten, wär damit nur der Konzerngewinn gewachsen, denke ich nicht dass euch das viele übel nehmen.

    Der Hersteller kann ja ruhig damit werben, dass er Bäume pflanzt und so wieder was für die Umwelt macht, aber solange ihr keine Lobeshymnen auf ihn singt, ist das Business as usual meiner Meinung nach.

    Ich will damit sagen, durch das Ablehnen der Spende setzt ihr ein Zeichen, aber es bekommen nur Leute mit, die eh schon auf unserer Seite sind. Nehmt ihr die Spende an, setzt ihr zwar kein Zeichen, könnt aber die Welt ein stück besser machen.

  3. axl / 08.10.2011 15:27:01 Uhr

    Wunderbar!!! Jetzt geht´s um die Wurst und das Thema „Gut und Böse“ hat die Menschen bekanntlich zu allen Zeiten bewegt. Dr. Faust lässt grüßen. Weil es ein Blog ist will ich mich kurz fassen.

    1. IPAT ist angetreten, um das Engagement möglichst vieler Menschen über eine unkomplizierte Web2.0-Plattform zu bündeln. Stellt Euch vor was man erreichen würde, bekämen wir die Hälfte unserer Zeitgenossen ins Boot!

    2. Wir sind alle zumindest ein bisschen böse. Wenn wir eine Massenbewegung anstoßen wollen brauchen wir auch die etwas Böseren.

    3. Die Welt braucht nicht noch mehr kategorische Gutmenschen, oder jene, die sich dafür halten. Mit einem Häufchen Alice Schwarzers, Wolf Biermanns und, und, und ist wenig zu bewegen. Nichts gegen Menschen, die glauben zu wissen wo´s langgeht, aber IPAT sollte sich hüten, in der trügerischen Schönheit moralischen Glanzes zu sterben. Der „Ökoschlunzen-Zeigefinger“ sollte möglichst unterm Wickelrock versteckt bleiben.

    4. Da unsere Welt nun mal recht komplex, und das Bild, was man an die Öffentlichkeit absondert von Bedeutung ist, kommt die Hochzeit mit dem Teufel (Bsp. Tabakindustrie) auch in Zukunft hoffentlich nicht in Frage. Denn das Schlimmste, was IPAT hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit passieren könnte, wäre das schmückende, grüne Fähnchen auf einem Haufen Schmutz zu sein – gehisst mit heuchlerischem Vorsatz, von fragwürdigen Konzernen, die uns gern vor ihren Karren spannen würden.

    5. Beim Stahlerzeuger wäre ich mit einem vorschnellen Urteil vorsichtiger. Niemand will zurück in die Steinzeit und letztlich essen wir doch alle gern mit Besteck.

    Kurz: IPAT wird nicht darum herum kommen die Anfragen genau unter die Lupe zu nehmen, um ehrliches Engagement von Trittbrettfahrerei zu trennen. Jedoch sollte der Filter nicht zu engmaschig sein, denn ein paar Wälder sind lustig für den Sonntagsspaziergang aber längst keine wirkungsvollen CO2-Senken.

  4. Micha / 08.10.2011 20:01:55 Uhr

    @axl: guter comment! @kellerlanplayer: frag doch mal deine Jungs, was die davon halten...

  5. Dr Greenthumb / 10.10.2011 12:52:19 Uhr

    Jedes Mitglied dieser Seite verfolgt mehr oder weniger das selbe Ziel, etwas zu verändern. Es kann jeder für sich selber entscheiden wie sinnvoll Investitionen von besagten Firmen sind, allerdings helfen sie Projekte schneller umzusetzen. Jede Investition ist ein guter Beitrag. Man muss daran denken, dass die negativen Dinge die im Beitrag beschrieben wurden, auch weiterhin passieren(werden). Man hätte nur mehr zu verlieren und weniger Möglichkeiten der Umwelt weiterzuhelfen.

  6. woody70 / 17.10.2011 16:09:16 Uhr

    Plant A Tree zeichnet sich dafür aus etwas zu tun, als nur zu reden. Jeder Baum ist besser als kein Baum. Jeder Baum ist gut. Dabei spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, ob der Mensch der ihn gepflanzt gut oder schlecht war. Genauso wenig kümmert es den Baum wer das Geld dafür gegeben hat.

    Ob ein schlechter Mensch oder eine schlechte Firma durch diese Tat zu einer guten Firma wird muss jeder selbst beurteilen. In der Realität gibt es nun mal nicht nur schwarz und weiß.

    Objektiv gesehen muss man sich doch auch bewusst sein, dass nicht Jedes Mitglied von Plant A TREE gut ist. Genau wie nicht jedes Kirchenmitglied ausschließlich christlich handelt. Nehmen wir einen Menschen, der einen Anderen Menschen misshandelt oder ermordet hat, andererseits aber 100 Anderen das Leben gerettet hat. Ist er nun ein Teufel oder ein Engel. Was müsste er tun um seine Schuld aufzuwiegen? Ist das überhaupt möglich? Es gibt Dinge, über die kann und will ich nicht Urteilen müssen. Aber darf er für einen Baum spenden? Ich finde ja, warum nicht?

    Wer schlechtes getan hat dem sollte die Möglichkeit auch Gutes zu tun nicht grundsätzlich verwehrt werden. Wir pflanzen Bäume, aber wir erteilen keine Absolution. Es muss nur sichergestellt bleiben, dass das Logo nicht als solche verstanden wird.

  7. juppheida / 18.10.2011 09:01:18 Uhr

    Ich habe für ja gestimmt. Um es mal so auszudrücken: Fahrräder aus Stahl oder Tabak zum Rauchen wird es auch ohne I plant a tree weiterhin geben. Warum sollte man den kleinen Finger dieser Konzerne nicht an die eigene Hand nehmen? Eine schlechte Umwelt mit wenig Bäumen ist nicht besser als eine schlechte mit vielen.

  8. Micha / 18.12.2011 11:01:28 Uhr

    Ich danke allen für Eure hilfreichen und interessanten Kommentare. Dass wir uns weiterhin selektiv entscheiden, entspricht auch dem Voting von Euch. besten Dank an Alle. Micha

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