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06.10.2011 - von Christian Lingnau

Geo-Engineering: Riskant und teuer

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass großtechnische Maßnahmen zur Klima-Manipulation keine überzeugende Lösung sind. Die Kosten des sogenannten Geo-Engineerings seien zu hoch und die Risiken nicht kalkulierbar. Auf Forschung in diesem Bereich will die Bundesregierung dennoch nicht ganz verzichten.
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Earth Full South Pacific von FlyingSinger

Das bekannteste Geo-Engineering-Projekt findet derzeit in der britischen Grafschaft Norfolk statt. Ein riesiger Heliumballon, verbunden mit über 20 Kilometer langen Schläuchen, wird schon bald Salzwasser und Schwefeldioxid in die Atmosphäre pumpen. Die kleinen Schwebeteilchen sollen das Sonnenlicht reflektieren und so das Klima abkühlen. Und das ist erst der Anfang: In wenigen Jahren sollen im Rahmen des Spice-Projekt (Stratospheric Particle Injection for Climate Engineering) insgesamt 64 Ballons dieser Art das Klima manipulieren. Die Auswirkungen der Installation sind unklar. Nur die Kosten lassen sich beziffern: Mit rund 5 Milliarden Euro pro Jahr ist das Vorhaben nicht unbedingt ein Schnäppchen.

In einer interdisziplinären Studie zu Thema Geo-Engineering kommen Naturwissenschaftler, Ökonomen, Juristen und Sozialwissenschaftler zu dem Ergebnis, dass manipulative Eingriffe ins Klima letztlich zu riskant sind. „Vermutlich alle Vorschläge sind mit erheblichen ökologischen Risiken und Nebenwirkungen, ökonomischen Kosten und gesellschaftlichen Konfliktpotentialen verbunden", so der Koordinator der Studie, Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Berücksichtige man die Ausgaben für Forschung und Beseitigung unerwünschter Nebenwirkungen, seien die tatsächlichen Kosten noch höher als sie es eh schon sind.

Auch aus juristischer Perspektive ist Geo-Engineering fragwürdig. Weil es keine rechtliche Basis gibt, sind Haftungsfragen und Verantwortungen ungeklärt. Dürfen einzelne Länder das Klima manipulieren und somit die Lebensgrundlagen aller anderen beeinflussen? Die Autoren der Studie fordern daher, dass entsprechende Maßnahmen demokratisch legitimiert werden müssen. An der Grundlagenforschung will die Regierung trotz aller Skepsis festhalten. Nicht zuletzt deshalb, um auch weiterhin in der internationalen Diskussion mitreden zu können.

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