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Sep 22, 2011 - by Christian Lingnau

Waldstrategie 2020: Kahlschlag für den Klimaschutz?

Das Bundeskabinett hat beschlossen, wie die Entwicklung des deutschen Waldes in den kommenden Jahren aussehen soll. Die „Waldstrategie 2020“ sei ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Forstwirtschaft im „Internationalen Jahr der Wälder“. Umweltverbände halten die Strategie für nicht nachhaltig.
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Wald bei Wäschenbeuren von dierk schaefer

Ein Drittel der Bundesrepublik ist mit Wald bedeckt. Die Fläche hat in den letzten vier Jahrzehnten sogar um eine Million auf heute elf Millionen Hektar zugenommen. Der Anteil an Laub- und Mischwald ist ebenfalls gestiegen (39 Prozent). Die „Waldstrategie 2020“ soll eine Balance zwischen den wachsenden und teils konkurrierenden gesellschaftlichen Ansprüchen an den Wald herstellen.

Wälder erfüllen im Wesentlichen zwei Funktionen: Erstens sind sie wertvolle Ökosysteme, Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie unersetzliche Kohlenstoff- und Wasserspeicher. Zweitens liefern sie den wichtigen Rohstoff Holz. Mit 1,2 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 160 Milliarden Euro ist die Forst- und Holzindustrie eine der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland. „Der Wald in Deutschland wird nachhaltig genutzt. Wachsende Ansprüche an den Wald dürfen nicht dazu führen, dass der Dreiklang aus ökologischem, ökonomischem und sozialem Nutzen aus dem Gleichgewicht gerät", so der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Gerd Müller.

Greenpeace wirft Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner vor, Klimaschutz auf Kosten des Waldes zu betreiben. „Wird die Strategie von Ilse Aigner umgesetzt, werden die bereits jetzt viel zu stark genutzten Wälder Deutschlands noch stärker abgeholzt. Mit dem beabsichtigten Holzeinschlag von über 100 Mio. Kubikmetern ist die deutsche Forstwirtschaft nicht mehr nachhaltig“, so Martin Kaiser von Greenpeace.

Auch der NABU lehnt die vorgesehen Anhebung der Obergrenze für den jährlichen Holzeinschlag ab. „Das entspräche einer Erhöhung von mehr als 60 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Erntemengen der vergangenen Jahre“, erklärt NABU-Geschäftsführer Leif Miller. Deutschen Wäldern stehe ein Kahlschlag bevor und gefährde die Artenvielfalt.

 

Autor: Christian Lingnau

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2 comments

  1. Micha / Sep 22, 2011 9:12:41 PM

    finde ich ziemlich uncool. Aber wir helfen ja wenigestens dabei, dass die Wälder unter unserer Verantwortung vernüftig genutzt werden.

  2. Christian Lingnau / Sep 23, 2011 1:59:26 PM

    Ohne Zugeständnisse bei der Quote hätte die Union wohl Probleme mit den Bauern bekommen. Denen gehört ja ein Großteil der privaten Waldfläche.

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