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18.08.2011 - von Christian Lingnau

Japan: Not macht erfinderisch

Fünf Monate nach Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe hat sich das Leben der meisten Japaner verändert. Von den 54 Kernreaktoren sind inzwischen nur noch 18 am Netz. Für das High Tech-Land bedeutet das eine ganz besondere Herausforderung: Strom sparen.

„Setsuden“ nennen die Japaner ihr nationales Sparprogramm, mit dessen Hilfe 20 Prozent weniger Strom verbraucht werden soll. Was besonders im Sommer schwierig ist, weil der Verbrauch durch die vielen Klimaanlagen zu dieser Jahreszeit am höchsten ist. Doch der Plan der Regierung scheint aufzugehen: In Ballungszentren wie Tokio wird die öffentliche Beleuchtung auf ein Minimum reduziert, Reklametafeln bleiben abgeschaltet und in immer mehr Bürogebäuden werden herkömmliche Lampen gegen sparsame LED-Lampen ausgetauscht.

Wer auf die Klimaanlage nicht verzichten will, kann diese zwar anstellen – muss sie dann allerdings auf 27 Grad einstellen. Und das führt in der konservativen, sehr auf Etikette bedachten japanischen Gesellschaft fast schon zu einer kleinen Revolution: Die Heerscharen uniformierter Angestellter, die morgens ins Büro hetzen, dürfen vorerst auf Jacket und Krawatte verzichten. Die Japaner kleiden sich im Sommer 2011 ungewöhnlich locker und leger.

Daneben machen einfallsreiche Geschäftsleute aus der Not eine Tugend. Die Firma Alphaicon etwa verkauft kühlende Sommerwesten für Hunde. Der Kleinunternehmer Hiroya Iida hat mit großem Erfolg einen elastischen Schaum auf den Markt gebracht, der auf die Haut aufgetragen angenehme Kühlung verschafft. Und besonders bei Senioren beliebt: Ein in Wasser einzulegender, wiederverwendbarer „Kühlschal“, der bis zu drei Stunden kühlt.

Derzeit spart wohl kein Land so viel Strom wie Japan. Gleichzeitig entsteht mit den Setsuden-Produkten ein ganz neuer Wirtschaftszweig. Ob und inwiefern die Atomkatastrophe die Gesellschaft aber auch nachhaltig verändert, wird sich zeigen.

Autor: Christian Lingnau

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