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Jul 15, 2011 - by Christian Lingnau

Streit um Reform der EU-Fischerei

Die Europäische Union will die Fischerei ihrer Mitgliedsstaaten neu regeln. Anstelle des jährlichen Aushandelns der Quoten sollen langfristige, auf wissenschaftlichen Kriterien beruhende Managementpläne treten. Während Umweltschützer die Reformansätze für zu unverbindlich halten, fürchten Fischer um ihre Existenz.
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Foto: Fisher Boat on Tamale Bay von Andrew Turner

Am Mittwoch stellte EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki in Brüssel ihre lang erwarteten Reformpläne vor. Demnach kommen auf die europäische Fischerei große Veränderungen zu. So sollen die Fangquoten künftig nicht mehr die Mitgliedsstaaten untereinander aushandeln, sondern anhand von wissenschaftlichen Langzeitmanagementplänen erstellt werden.

Darüber hinaus soll es verboten werden, den sogenannten „Beifang“ ins Meer zu werfen. Schätzungen zufolge wird jeder vierte Fisch (lebendig oder tot) ins Meer zurückgeworfen. Die Fischer sollen die Tiere mit an Land nehmen müssen, damit der Anreiz steigt die kleinen Fische erst gar nicht zu fangen. Zudem soll ein Lizenzhandel dafür sorgen, dass nachhaltiges Fischen sich auch ökonomisch lohnt. Fischer könnten so untereinander flexibel Über- und Unterkapazitäten ausgleichen.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf hält an den nationalen Fangquoten fest. Sie fürchtet um die Existenz kleiner Familienbetriebe, wenn kapitalstarke Fischereiunternehmen Lizenzen und Quoten aufkaufen. Ihr Kollege Till Backhaus (Mecklenburg-Vorpommern) geht auch davon aus, dass bei einer Aufgabe nationaler Quotenregelungen der Druck auf heimische Gewässer durch internationale Konkurrenz noch weiter zunimmt.

Der Umweltstiftung WWF begrüßt den Kurswechsel zwar - die Pläne seien jedoch unausgereift. „Der Kommissionsvorschlag enthält gute Ansätze, überlässt aber zu viel dem Zufall“, sagte Karoline Schacht vom WWF. So fehlten klare Zuständigkeiten und Zeitvorgaben sowie ein überzeugendes Konzept, wie die Flottenüberkapazität abgebaut werden kann. Das genannte Rückwurfverbot sei außerdem unwirksam, wenn zu viel gefangener Fisch kommerziell verwertet werden darf.

Autor: Christian Lingnau

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