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15.04.2011 - von Christian Lingnau

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Der Reaktorunfall in Japan hat unmittelbare Auswirkungen auf den deutschen Energiemarkt. Immer mehr Verbraucher entscheiden sich für den individuellen Atomausstieg und wechseln zu einem der vielen Ökostromtarife. Doch damit der Atomstromanteil am Energiemix auch tatsächlich sinkt, sollte es ein Stromanbieter sein, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen anbietet.
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Etikettenschwindel bei Ökostrom

Bei den deutschen Stromvergleichsportalen herrscht derzeit Hochbetrieb. Nach Fukushima sind viele Verbraucher nicht mehr bereit, auf den politischen Atomausstieg zu warten. Viele der wechselwilligen Kunden entscheiden sich daher für einen sogenannten Ökostromtarif – also Strom aus Windrädern, Wasserkraft oder Photovoltaik. Doch Vorsicht ist geboten: Nicht überall, wo Ökostrom draufsteht, ist auch Ökostrom drin. Weil „Ökostrom“ kein geschützter Begriff ist, können die Versorger praktisch jeden Tarif als umweltschonenden Ökostrom vermarkten.

Ob der Strom eines Tarifs wirklich ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt, lässt sich deshalb nur schwer erkennen. Die Vielfalt entsprechender Siegel sorgt auch nicht gerade für Übersicht und Klarheit. Für Stephan Scherfenberg von Stiftung Warentest ist mancher „Ökostromtarif“ nichts anderes als umetikettierter Atomstrom. Dabei kritisiert er vor allem den Handel mit RECS-Zertifikaten: „Der legale Handel mit diesen Zertifikaten ermöglicht es, dass ein Anbieter, der Atomstrom liefert, nur den Namen Ökostrom von einem Anbieter kauft, der tatsächlich Ökostrom produziert und dafür das Zertifikat erhalten hat."

Richtiger Ökostrom kostet mehr

Der umweltbewusste Verbraucher hat somit folgende Optionen: Entweder wechselt er zu einem Stromanbieter, der neben konventionellen Tarifen auch Ökostrom anbietet. Das ist inzwischen bei fast allen Energieversorgern möglich und die günstige Variante. Weil diese Versorger allerdings auch Kohle- und Atomstrom im Angebot haben, ist der tatsächliche Effekt eines solchen Wechsels auf den Energiemix denkbar gering.

Wer ganz sicher gehen will entscheidet sich für einen Stromanbieter, der ausschließlich Ökostrom anbietet. Und davon gibt es in Deutschland nur vier: Naturstrom, Lichtblick, EWS Schönau und Greenpeace Energy. Da bei diesen Versorgern der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommt, wächst mit jedem Wechsel der Ökostrom-Anteil an der gesamtdeutschen Energieversorgung. Ohne die Einnahmen aus billigem Atom- und Kohlestrom kostet der ökologische Mehrwert allerdings auch etwas.

Naturstrom & Co. verzichten teilweise bewusst auf irreführende (und teure) Siegel, um sich von der konventionellen Konkurrenz abzugrenzen. Umweltverbände und Verbraucherschützer empfehlen die „grünen Vier“ seit Jahren als seriöse und nachhaltige Alternative. Mehr dazu gibts auf atomausstieg-selber-machen.de.

Foto: 250 years ago there was not a single tree in the dithmarschen marshlands. von Dirk Ingo Franke

Autor: Christian Lingnau

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