zurück


05.04.2011 - von Christian Lingnau

Tschernobyl und Fukushima: Nicht alles ist anders

Wie und wann die Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima wieder unter Kontrolle gebracht werden, ist auch drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami völlig unklar. Das Beispiel Tschernobyl zeigt, dass nur eines sicher ist: Viele Generationen werden noch mit den Folgen der Katastrophe leben müssen.
image
Foto: Ernst Rose / Pixelio

Folgen von Tschernobyl in Deutschland

Wie die Folgen eines atomaren Unfalls konkret aussehen können, lässt sich heute noch in Bayern beobachten. Unter zu hoher Strahlenbelastung leiden in Bayern nach wie vor insbesondere Wildschweine. Auch 25 Jahre nach Tschernobyl sind insbesondere die Cäsium 137-Werte einiger Tiere so hoch, dass sie nicht zum Verzehr geeignet sind. Wildtiere sind am stärksten betroffen, da sie in großen Mengen kontaminierte Pilze fressen. Prof. Edmund Lengfelder vom Otto Hug Strahleninstitut in München geht davon aus, dass in den belasteten Gebieten die Pilze erst in 300 Jahren wieder gefahrlos verwendet werden können.

Tschernobyl nach 25 Jahren: 4.300 km² Sperrzone

Im Umkreis des ukrainischen Unglücksreaktors selbst ist die Strahlenbelastung natürlich ungleich höher. Nach einer schrittweisen Evakuierung der Bevölkerung umfasst die Sperrzone heute ein Gebiet, welches doppelt so groß ist wie das Saarland. In Tschernobyl selbst leben nur noch einige Wissenschaftler und Arbeiter, die permanent Ausbesserungsarbeiten an der maroden Schutzhülle aus meterdickem Beton („Sarkophag“) vornehmen müssen. Aufgrund der Strahlenbelastung wechselt das Personal alle 14 Tage. Warnschilder erinnern die Menschen daran, bei sommerlichen Staubstürmen die eigens dafür eingerichteten Schutzräume aufzusuchen. Durch den Wind werden kontaminierte Partikel aufgewirbelt, welche die Strahlenbelastung zwischenzeitig massiv verstärken können.

Langsamer GAU in Fukushima

In Fukushima verläuft der GAU allerdings anders, und zwar schleichender als in Tschernobyl. In Japan hat es offenbar keine vergleichbare Explosion gegeben, in der größere Mengen Radioaktivität in höhere Luftschichten geschleudert wurden. Dass nun große Mengen radioaktiv belastetes Wasser ins Meer und Grundwasser gelangt, macht die Gefahr jedoch noch weniger kalkulierbar.

Angesichts mangelnder Informationen ist es für Alex Rosen vom IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) nicht leicht, die Auswirkungen von Fukushima mit denen von Tschernobyl zu vergleichen: „Dass die Katastrophe von Fukushima letztendlich vielleicht sogar mehr gesundheitliche Schäden anrichtet als das Rektorunglück in Tschernobyl, ist zur Zeit zumindest plausibel - schon allein weil wir es nun mit sechs statt einem Reaktor zu tun haben, die kritisch sind, weil aus Reaktor 3 offenbar hochgiftiges Plutonium austritt und weil die Bevölkerungsdichte in Japan um ein Vielfaches höher ist als in der Sowjetunion. Wir können nur das Beste hoffen, auch wenn wir wohl das Schlimmste befürchten müssen.“

Autor: Christian Lingnau

Dein Kommentar wird unwiederruflich gelöscht!

0 Kommentare

Du musst eingeloggt sein um Kommentare abzugeben.
Feedback ist momentan nur als Mitglied möglich!
Feedback is temporarily only available for members!

Ich habe keinen IPAT-Account und möchte
"I Plant a Tree" über mein
Facebook Profil benutzen.

Mit Facebook anmelden

Ich habe bereits einen IPAT-Account und möchte diesen mit meinem
Facebook Profil verknüpfen.
Hierfür bitte vorher einloggen:

Mit Facebook verknüpfen