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18.03.2011 - von Christian Lingnau

Atomkraft in Großbritannien

In Japan zeichnet sich nach Tschernobyl ein weiterer GAU in einem Kernkraftwerk ab. In vielen Ländern mit atomaren Anlagen wird nun erneut über Nutzen und Gefahren der Technologie diskutiert. Dabei ist die Angst vor der Strahlung allerdings nicht überall so ausgeprägt wie in Deutschland. In Großbritannien beispielsweise ist der Umgang mit dem Thema entspannter.
Seit einer Woche dominiert die nukleare Katastrophe in Japan die sonst so kurzatmige Berichterstattung. In Deutschland vollzieht die Regierung eine komplette Kehrtwende ihrer bisherigen Energiepolitik und beschließt, die sieben ältesten Meiler vom Netz zu nehmen. Aktuelle Meinungsumfragen zeigen, dass die große Mehrheit der ohnehin Kernkraft-kritischen Deutschen die Technologie als zu riskant ablehnt.
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Reaktorblock als Touristenattraktion

In Großbritannien ist die Öffentlichkeit in punkto Kernenergie hingegen wesentlich entspannter. Hier ist eine atomare Anlage sogar Touristenattraktion. Das alte Atomkraftwerk im südenglischen Dungeness steht mitten in einem Naturschutzgebiet und zieht jährlich rund 100.000 Touristen an. Von der Terrasse eines Pubs aus können Besucher den Blick auf Reaktorblock A genießen. Neben der Anlage haben sich vor Jahren schon (freiwillig) Künstler in einer Kolonie angesiedelt und verkaufen Souvernirs an Touristen.

Kein Wunder also dass auf der Insel eine öffentliche Debatte über die Kernenergie bislang praktisch nicht stattfindet. Weder Regierung noch Opposition oder Medien stellen das ehrgeizige britische Atomprogramm ernsthaft in Frage. Laut Energieminister Chris Huhne werde das Unglück in Fukushima zwar „extrem ernst“ genommen, allerdings sei ein ähnlich starkes Erdbeben in Großbritannien nicht zu befürchten. Zwar gab sein Ministerium einen Untersuchungsbericht in Auftrag – der Bau weiterer Atomkraftwerke steht aber nicht zur Diskussion. Schließlich stellt die Kernenergie nach Ansicht beider großen Parteien des Landes neben der Windkraft einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz dar.

Foto: Please Take Your Nuclear Waste Home von Akuppa John Wigham

Autor: Christian Lingnau

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