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Mar 19, 2011 - by Christian Lingnau
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Kiefer (Pinus sylvestris)

Die Gattung Kiefer (Pinus) existiert weltweit in über 90 verschiedenen Arten. Sie ist in Deutschland die zweithäufigste vorkommende Baumart (Platz 1 gebührt der Fichte) und macht somit 23% (dies entspricht in etwa 2,5 Mio. ha) des deutschen Waldes aus, in Brandenburg sind es sogar 72%.

Die Kiefer ist eine der ältesten in Deutschland vorkommenden Arten aber auch eine der ersten Arten, die es schafft freie Flächen neu zu besiedeln. Sie wird als Brotbaum der nord- östlichen Forstwirtschaft bezeichnet. Ihre Nadeln sind äußerst Vitamin C - haltig, aus dem gewonnenen Harz lassen sich zahlreiche Produkte herstellen (von Terpentin, Lacken und Linoleum über Kaugummi bis hin zu medizinischen Produkten) und die Kienspäne wurden im Mittelalter genutzt, um Licht in die dunklen Stuben zu bringen.

Die Waldkiefer in Zahlen

Waldkiefer Werte Einheiten
durchschnittl. Höhe 10 - 30 m
durchschnittl. Alter 600 a
durchschnittl. Umfang 1 m
Umtriebszeit 120 - 140 a
Pflanzdichte 3000 - 10000 Stck./ha
Standfläche 1 - 3,3 m²/Pfl.
Nutzung Konstruktionsholz
im Innen- und
Außenbau
 

Bei all den Verwandten doch unverkennbar

Typisches und leichtes Erkennungsmerkmal ist die Rindenfärbung. Während die Rinde in Bodennähe braun und grobborkig scheint, wechselt die Farbe und Beschaffenheit der Rinde im oberen Stammteil in ein bisweilen glänzendes fuchsrot über. Die Waldkiefer kann bis zu 600 Jahre alt werden und eine Höhe von 10-30 Metern (in Ausnahmen 40m) erreichen. Die Nadeln sitzen mit einer Länge von 4-7cm paarweise auf einem Kurztrieb. Eine kräftig ausgebildete Pfahlwurzel mit langen Seitenaustrieben sorgt auch bei Alleinstand des Baumes für ausreichend Stabilität und Standsicherheit.

In Deutschland finden sich unter anderem auch die Arten Berg- und Zirbelkiefer (eher in Hochlagen beheimatet), die Schwarzkiefer (aus Österreich) und die Strobe oder auch Weymouthskiefer genannt, die aus Nordamerika stammt und als besonders schnellwüchsig gilt. Welchen Standort braucht die Kiefer?

Die Kiefer ist eine Pionierbaumart, das heißt, dass sie in der Lage ist Freiflächen zu besiedeln, schnell zu wachsen und extremen Umweltbedingungen (Hitze, Nährstoffmangel, Trockenheit) Stand zu halten. Sie bevorzugt kontinentales Klima und (wie fast alle Baumarten) Standorte mit guter Nährstoff- und Wasserversorgung.

Da sie von Jugend an sehr lichtbedürftig ist, ist sie aber auch sehr konkurrenzschwach gegenüber anderen Baumarten und wird daher oft auf Gebiete verdrängt (nährstoffarme, sehr trockene, felsige oder moorige Standorte), wo andere Baumarten (z.B.: die Buche) nicht mehr so gut wachsen können. In der Natur stellen Kiefernbestände auf weiter Flur also nur eine Art Vorwaldstadium dar, welche dann durch konkurrenzstärkere Baumarten mit der Zeit abgelöst werden.

Gefährdung durch Schädlinge?! - Von Spinnern, Spannern und Schwärmern

Somit würden von Natur aus keine großflächigen Reinbestände existieren. Durch den Eingriff des Menschen (Pflanzung von Reinbeständen und deren dauerhaften Erhalt) existieren sie aber doch. Große Monokulturen bürgen auch immer das Risiko des zahlreichen und großflächigen Auftretens von Schädlingen. So kann es bei extremem Befall mitunter zum Absterben ganzer Waldbestände kommen.

Für den Nadelfraß an Kiefer sind die Raupen der Schmetterlinge Forleule, Nonne, Kiefernspinner, -spanner und -schwärmer verantwortlich. Der Verlust großer Nadelmasse kann zum Absterben des Einzelbaums führen und bei starkem Befall ganze Waldteile bedrohen. Der Nadelverlust kann auch durch den Pilz „Kiefernschütte" hervorgerufen werden. Dieser tritt hauptsächlich in jungen und feuchten noch sehr dicht stehenden Beständen auf. Pilze die Holz oder Wurzelfäulen hervorrufen sind z.B. der Kiefern-Baumschwamm, Kiefern-Braunpohrling, Hallimasch, Wurzelschwamm, ... etc. Allerdings wissen sich gesunde Bäume mit ihren enormen Harzmengen durchaus gegen Schädlinge zu wehren.

Interessantes

  • Bereits 1904 wurden Versuche der preußischen Regierung angelegt die auf der Mitteilung basierten, dass Gebiete von waldnahen Häusern und Förstereien weit weniger von herrschenden Kiefernspannerkalamitäten betroffen waren, weil die dort lebenden Haushühner sämtliche Puppen und Raupen des Bodens verspeisten. Der darauf folgende Versuch ergab, dass 500 Hühner benötigt würden um einen ha befallenen Wald zu „säubern".
  • Die „Ponderosa Ranch" aus der Fersehserie „Bonanza" verdankt ihren Namen den im Hintergrund stehenden Gelbkiefern (Pinus ponderosa).
  • Bienen sammeln das Baumharz und vermischen es mit eigenem Drüsensekret (Propolis), dies kleben sie auf das Einflugbrett ihrer Bienenstöcke um Keime (die sie nach einem Arbeitsflug mitbringen) draußen zu lassen. Die Fußmatte wirkt desinfizierend. Auch Ameisen tragen Baumharz in ihre Nester um sich vor Bakterien und Krankheitskeimen zu schützen.
  • Vor 4000 Jahren balsamierten die Ägypter ihre Mumien mit Baumharz ein.

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