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Mar 3, 2011 - by Christian Lingnau

Neues WWF-Siegel für Zuchtfische

Die Umweltstiftung WWF entwickelt ein neues Siegel für Fische aus Unterwasserfarmen. Mit dem Aquaculture Stewardship Council (ASC) sollen künftig Fische aus nachhaltiger Fischzucht ausgezeichnet werden. Kritik kommt ausgerechnet von Kollegen anderer Umweltverbände: Die Vorgaben des neuen Zertifikats seien zu schwach und wenig konkret.
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MSC-Logo hat keinen guten Ruf

Mit dem Logo des Marine Stewardship Councils (MSC) gibt es bereits ein bekanntes Zertifikat für nachhaltigen Fischfang auf vielen Fischverpackungen im Supermarkt. Dieses gilt allerdings nur für Meeresfisch und hat seinen guten Ruf inzwischen weitgehend verloren. Schließlich wird das Logo auch für Fisch aus überfischten Gebieten vergeben, sofern nur ein „Erholungsprogramm“ besteht. Die folgenreiche Grundschleppnetzfischerei wird durch das MSC-Siegel ebenfalls nicht eingeschränkt.

Der Appetit auf Kabeljau, Shrimps oder Lachs ist so groß wie nie zuvor. Nach Jahrzehnten der Überfischung sind jedoch viele Fischbestände in einem schlechten Zustand, so dass die Meere allein unseren Hunger nicht mehr stillen können. Folglich kommt inzwischen fast die Hälfte des Speisefischs aus sogenannten Aquakulturen. Dabei gehen Naturschützer davon aus, dass Aquakultur das Problem der Überfischung nur noch verschärft. Denn für die Fischzucht wird Futter benötigt, welches wiederum aus Wildfisch hergestellt wird. Bei der Lachszucht etwa wird für die Gewinnung von einem Kilogramm Lachs bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch verfüttert. Als charakteristisch für Aquakultur gilt zudem die Zerstörung küstennaher Lebensräume etwa durch Shrimpszuchten in Mangrovenwäldern. Verheerende Auswirkungen haben zudem Chemikalien und Antibiotika, die aus offenen Netzkäfigen in Flüsse und Meere gelangen.

Neues Siegel für Aquakultur

Doch Aquakultur muss nicht destruktiv sein. Mit dem neuen ASC-Logo will der WWF nachhaltige Fischzucht unterstützen. Dabei wird die Organisation von bedeutenden Handelsunternehmen wie Edeka und Metro unterstützt. Berichte über Überfischung und Artensterben verunsichern immer mehr Kunden. Mit dem ASC-Logo ausgezeichnete Fische sollen schon bald in allen großen Supermärkten zu kaufen sein.

Doch obwohl das Zertifikat noch gar nicht eingeführt ist, wird es von Naturschützern bereits kritisiert. Das Prädikat mache zu lasche Vorgaben, was verfüttert und welche Medikamente verwendet werden dürfen. Die Zertifizierung von Naturland zum Beispiel folgt wesentlich strengeren Richtlinien. Der WWF bestreitet aber auch gar nicht, dass für den ASC Kompromisse gemacht wurden. Fischereiexpertin Heike Vesper vom WWF betont daher, dass Bio natürlich besser sei. "Der Standard wird niedriger sein als der des Bio-Siegels, aber viel höher als bei konventionellen Aquakulturen."

Für die Arten Pangasius uns Tilapia stehen die Standards inzwischen fest, die Regeln für Lachs, Shrimps und Forelle sollen in den kommenden Monaten festgelegt werden. Noch in diesem Jahr soll dann das neue Logo eingeführt werden. Ob und inwiefern die Standards noch nach oben korrigiert werden, ist nicht klar.

Foto: Fishing Boats von ccarlstead
Autor: Christian Lingnau

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