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10.10.2010 - von Micha

ÖKOLOGISCHES BAUEN - ZWISCHEN LEHMHÜTTE UND PASSIVHAUS

Fünf Jahre habe ich es in Großbritannien ausgehalten, dann musste ich weg. Aus verschiedenen Gründen, viele davon hier unwesentlich. Aber einer, der mich dort in den Wahnsinn getrieben hat, war die Bauweise. Nicht die Tatsache, wie sie dort bauen, sondern, wie sie eben NICHT bauen. Nämlich warm, trocken und energieeffizient.
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© Nadine Hilmar
Ein Problem ist, dass Großbritannien „selber machen“ will. Sie wollen nicht Europa kopieren, sie sind und bleiben „die Insel“, auf der kaltes und heißes Wasser noch immer aus zwei unterschiedlichen Wasserhähnen tropft. Sie schauen sich nichts ab. „This is the way it is.“ ist ihr Standardsatz. Auf unsere Passivhäuser schauen sie kritisch. „Da kann man nicht drin atmen.“ und „In unserem Klima geht das nicht.“ Anstatt also das Passivhauskonzept aufzugreifen und aufs eigene Klima anzuwenden, warten sie, bis ihnen ein komplett neues Konzept in die Hände fällt. Und bauen weiter wie bisher.

Die andere Seite des ökologischen Bauens - nämlich das mit ökologischen Materialien, bei denen auch auf die graue Energie der Baustoffe, das gesunde Raumklima und die Natürlichkeit geachtet wird, anstatt auf einen geringen Heizwärmebedarf, ist was für Hippies. Irgendwelche Hütten, bewohnt von langbärtigen Treehuggers. Nun, so bewegt sich Großbritannien irgendwo im nirgendwo, wenn es ums Bauen geht. Und das, wo der Bausektor einen Großteil der CO2 Emissionen der Welt einnimmt, Gebäude selbst 40% des weltweiten Energieverbrauchs darstellen.

Nun, was das energieeffiziente Bauen angeht, ist Europa weiter. Aber auch hier gibt es einen großen Graben zwischen den modernen Passivhaus-, Plusenergie- und Niedrigstenergiekonzepten und den ökologischen Bauweisen mit natürlichen Materialien. Dass das Bauen mit Holz, Lehm oder Stroh, sogar mit Autoreifen, Flaschen und Dosen möglich ist, hat sich in interessierten Kreisen schon langsam rumgesprochen und wird von Bauspezialisten belächelt. Dass das Bauen mit diesen Materialien sogar auf Energieeffizienzbasis möglich ist, wissen die wenigsten. Leider. Dabei gibt es das Passivhaus bereits auch aus Holz. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich vom Schweizer Architekten Werner Schmidt (http:// www.atelierwernerschmidt.ch/) inspirieren lassen und sein Passivhaus sogar aus Stroh bauen.

Auch Lehm ist neben Wärme und gesunder Raumqualität nicht mehr nur der Inbegriff von krummen und schiefen - sprich charakteristischen - Wänden. Mit Stampflehm, Lehmsteinen oder Trockenbau - Lehmbauplatten ist auch für die Verfechter gerader Linien, Ecken und Kanten die Ökologie greifbar. Wer es ausgefallen mag, die eigene Energieversorgung selbst in die Hand nehmen will und die graue Energie der Baumaterialien so gering wie möglich halten will, für den hat Michael Reynolds in Taos, New Mexico die Lösung parat: Das Earthship (www.earthship.org). Außenwände aus Autoreifen, Flaschenwände als lichtdurchlässige innenarchitektonische Kunstwerke, der eigene Gemüsegarten im und am Haus - all das ist mittlerweile anwendbar auf jedes Klima, jede Lebensform, jeden Geschmack. Die Palette an Möglichkeiten ist kunterbunt, das ökologische Bauen längst nicht mehr die traumtänzerische Hütte im Wald.

In einer Reihe an Artikeln möchte ich die einzelnen Materialien vorstellen, die unzähligen Möglichkeiten aufweisen und mit Vorurteilen aufräumen. Demnächst: „Holz - Fachwerk war gestern“

Anm. der Redaktion: Dieser Artikel wurde geschrieben von www.madamekunterbunt.net . Wir freuen uns auf weitere Artikel von Dir!

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