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13.07.2010 - von Micha

Mikrokredite - Ein Weg aus der Armut?

In der Politik und der Presse werden Mikrokredite als ein mögliches Heilmittel gegen Armut in der 3.Welt angepriesen. Inzwischen ist das Konzept auch nach Europa transferiert worden und soll Existenzgründern den Weg aus der Arbeitslosigkeit ebnen. Worum geht es bei Mikrokrediten? Ein weiterer Artikel von Christoph
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© flickr.com ... tristam sparks
Durch einen relativ kleinen Kreditbetrag (im Vergleich zu landesüblichen Kreditsummen) sollen sich Menschen eine Existenz auf Subsistenzbasis(2) aufbauen, die sie dann und Ihre Familien ernährt. Aus der Sicht von Geschäftsbanken sind diese Kreditnehmer aufgrund fehlender Sicherheiten und kleiner Kreditsummen nicht kreditwürdig. Mikrokredite erschliessen also erstmalig einem grossen Personenkreis den Zugang zu Kapital.

Wie kann aber für die Sicherheit der Gläubiger gesorgtwerden? Die Rückzahlung von Mikrokrediten wird meist durch soziale Kontrolle durch einen Kreis von gleichartigen Kreditnehmern sichergestellt, die sich im Rahmen von Gruppentreffen gegenseitig unterstützen, je nach Konzept aber auch teilweise füreinander haften. Ausfälle einzelner Kreditnehmer können durch eine grössere Riskostreuung durch die Verteilung auf viele Gläubiger besser verkraftet werden. Spätestens seit einer der prominenten Begründer von Mikrokrediten, Muhammad Yunus(3), für dieses Konzept den Friedensnobelpreis bekommen hat, werden Mikrokredite auch als Geschäftsfeld von Grossbanken, staatlichen Entwicklungshilfeinstitutionen und professionellen Investoren wahrgenommen. Auch Privatpersonen können sich durch Beteiligung an gemeinnützigen Mikrokreditorganisationen wie Oikocredit oder durch Direktvergabe wie bei kiva.org der weltweiten Bewegung anschliessen.

Einige Kritikpunkte lassen sich dennoch aufführen: So ist bei Mikrokrediten aufgrund des hohen Bearbeitungsaufwandes pro Kreditsumme und der höheren Risiken ein mitunter weitaus höherer Zins zu zahlen als bei üblichen Bankkrediten(4). Arme - und deshalb nicht kreditwürdige - Menschen wären andererseits auf Kreditvermittler angewiesen, die weitaus höhere Zinsen verlangen können. Die Gegner der Mikrokedite führen als Argument auch die starke Fokussierung auf die Subsistenzwirtschaft als Entwicklungshilfeinstrument als Problem an: Sollten nicht eher grössere wirtschaftliche Einheiten bzw. Produktionsstätten aufgebaut werden, die vielen Menschen Arbeit geben und vielleicht sogar auf den Export orientiert sind? Dann könnten die entsprechenden Länder auch durch Deviseneinnahmen profitieren.

Generell lässt sich aber sagen, dass durch Mikrokredite gerade die Menschen gefördert werden, die in den Industriezweigen der Entwicklungsländer aufgrund fehlender Qualifikationen keine Chance hätten. Die Geschichte der Entwicklungshilfe zeigt ausserdem, dass Industrialisierungsprojekte als Entwicklungshilfe häufig scheitern und zudem sehr kostenintensiv sind. Mit Mikrokrediten kann daher ein grösserer Personenkreis mit geringerem Mitteleinsatz als bei der klassischen Entwicklungshilfe profitieren. Unter der Abwägung aller Argumente erscheinen daher Mikrokredite als geeignetes Instrument, um sowohl in der 3. Welt als auch den entwickelten Volkswirtschaften die Menschen zu unterstützen, die ansonsten keinen Zugang zu Kapital und Arbeitsstellen haben. Mikrokredite werden daher zu Recht sowohl von linker wie liberaler Seite als Fortschritt in der Entwicklungshilfe gefeiert.

(1) Siehe zum Beispiel:
http://www.gozielselbststaendig.ch; http://www.brandeins.de/archiv/magazin/selber-machen/artikel/wir-sind-die-bank.html
(2) Subsistenz bedeutet Selbstversorgung, d.h. keine Produktion für einen grösseren Markt.
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Yunus
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrokredit


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