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03.05.2010 - von Jan

Bohrinsel-Unglück: Obama stoppt neue Tiefseebohrungen und macht BP für die Folgen des Ölunfalls haftbar

(Quelle: flickr - SkyTruth)

Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 02.05.2010 - Als Reaktion auf den Ölunfall vor der US-Küste hat Präsident Barack Obama mit sofortiger Wirkung alle Zulassungen für neue Tiefseebohrungen gestoppt. Hintergrund ist, dass mittlerweile Sicherheitsmängel bekannt geworden sind, welche möglicherweise für das Unglück mitverantwortlich sein könnten. So fehlte ein so genannter Sicherheitsschalter, mit dem man die Bohrlöcher hätte verschließen können. Die Kosten dafür betragen etwa 50.000 US-Dollar, die der Ölkonzern BP offenbar einsparen wollte. Zudem sei laut Wall-Street-Journal bekannt geworden, dass es offenbar Sicherheitsmängel bei der Ölplattform gegeben habe, die Technik sei nicht auf dem neusten Stand gewesen.

So beschuldigt BP den Betreiber Transocean Limited, der die zunächst explodierte und dann zwei Tage später gesunkene Ölplattform Deepwater Horizon betrieb, in Sachen Sicherheit geschlampt zu haben. Allerdings obliegen die Überwachungstätigkeiten in Puncto Sicherheit rechtlich dem Leasingnehmer BP, der es aus Kostengründen abgelehnt haben soll, den in den Vereinigten Staaten (noch) nicht vorgeschriebenen Notschalter zu installieren. Es gilt seit der Exxon Valdez-Katastrophe das sogenannte Verursacher-Prinzip nach den US-Gesetzen. Die Kosten für die notwendigen Bohrungen werden auf derzeit 100 Millionen US-Dollar, die Aufräumkosten auf sechs Millionen Dollar pro Tag geschätzt. Diese Zahlen können je nach Lage der Dinge und weiterer Entwicklungen noch nach oben korrigiert werden. An die Kosten der Exxon-Valdez-Katastrophe könnte die gegenwärtige Umweltkatastrophe in den nächsten drei Wochen herankommen. Die gesunkene Ölplattform war aber nicht die einzige ihrer Art im Golf von Mexiko: Die Bohrinseln „Bullwinkle" (mit einer Gesamthöhe von 530 Metern), „Baldpate" (580 Meter hoch und 78.000 Tonnen schwer) sowie „Petronius" (mit 610 Metern Höhe und einem Gewicht von 43.000 Tonnen einer der größten Turmplattformen ihrer Art) sind nach dem gleichen Bauplan errichtet worden.

Zeitnah hat die Heimatschutzministerin Janet Napolitano die Ölpest zu einer nationalen Katastrophe erklärt, wodurch Finanzmittel aus dem Bundeshaushalt für die Bekämpfung der Ölpest in den betroffenen Gebieten eingesetzt werden können. Außerdem ermöglicht die Ausrufung des Notstands den Einsatz der US-Armee. Derweil hat der 190 Kilometer lange Ölteppich die US-Küsten erreicht und ist auf die Küste des US-Bundesstaates Louisiana getroffen. Dieser Bundesstaat hatte bereits am Vortag den Notstand ausgerufen: Etwa 400 Tierarten sind unmittelbar bedroht.

Sollten die eilig errichteten Ölsperren im Missisippi versagen, könnte der Ölteppich am Wochenende bis in den US-Bundesstaat Florida vordringen. Dort wurde nur drei Stunden später nachgezogen und ebenfalls der Notstand ausgerufen. Wichtige Naturschutzgebiete liegen im weiteren Verlauf im Missisippi-Delta, das bereits von dem Ölteppich erreicht worden ist. Inzwischen besteht der Notstand neben den vorgenannten US-Bundesstaten auch in Alabama, Mississippi und Texas.

Starke Winde und rauhe See ermöglichten ein schnelleres Vordringen des ausgelaufenen Rohöls und Dieselkraftstoffes der gesunkenen Ölplattform. Einzelne Schlieren sollen bereits im Bereich der Missisippi-Mündung bei einem Überflug durch BP selbst entdeckt worden sein. Ölbarrieren dort vor Ort hielten nicht stand, eine wurde sogar durch die rauhe See völlig versenkt.

Unterdessen wird von der Küstenwache und dem Mineralölkonzern fieberhaft versucht, das Leck an der Unglücksstelle der gesunkenen Ölplattform zu schließen, bislang ohne Erfolg. Es strömt eine tägliche Förderrate von 800.000 Litern Rohöl ungehindert aus dem Bohrloch in den Golf von Mexiko. Zehn Tauchroboter haben bislang erfolglos versucht, die Lecks abzudichten. Zurzeit wird eine Art Taucherglocke über die Austrittstellen gebaut. Diese Arbeiten können sich aber noch Wochen hinziehen. Geplant ist das Aufnehmen des dann gesicherten Öls durch ein Spezialschiff und ein Verbringen an Land. Inzwischen hat sich der Ölteppich im Golf von Mexiko mehr als verdreifacht und erstreckt sich Freitagabend auf über 9.900 Quadratkilometer. BP scheint weiterhin noch kein Konzept zu haben, dem Ölteppich zu begegnen und die Küsten zu schützen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Wikinews. Die Veröffentlichung auf IPAT erfolgte mit freundlicher Genehmigung vom Projekt Wikinews durch CC-Lizenzen.

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