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30.03.2010 - von Jan

Umdenken in der Atomkraft

Atomkraft im neuen Gewand. Ein Artikel auf "Readers Edition" beschreibt den aktuellen Wandel des Bildes der Atomkraft, sicherlich nicht nur objektiv aber auf jeden Fall informativ. - Jan


- geschrieben von Michael Krüger

Die Renaussance der Kernkraft ?

Klimaschutz und Kernkraft, das scheint für viele Umweltschützer nicht vereinbar. Nahezu alle Umweltverbände sind sich dahingehend einig, dass ein Ausstieg aus der Kernkraft notwendig ist. Die Politik und diverse Klimaforscher beschreiten aber inzwischen einen anderen Weg. Mit den Rufen nach mehr Klimaschutz und weniger Kohlekraft ist die Kernkraft inzwischen wieder salonfähig geworden.

So wirbt z.B. die Seite kernkraft.de

“Neben Wasser und Windenergie weist Kernkraft die mit Abstand geringsten CO2-Emissionen aller Energieträger auf, wie u.a. das Paul-Scherrer-Institut (PSI), Villingen/Schweiz, ermittelt hat. Das Forschungsinstitut hat die Nachhaltigkeit verschiedener Energiesysteme untersucht und festgestellt: Mit ihrer positiven Klimabilanz liegt die Kernenergie noch vor Energieträgern wie Photovoltaik, Geothermie und Biogas. …”

“Abkehr vom Scheuklappendenken

Angesichts der drängenden Klimaprobleme wird das Thema Kernenergie in den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft zunehmend pragmatisch und vorurteilsfrei diskutiert. Dies gilt selbst für einstige Gegner der Kernenergie, wie etwa den Greenpeace-Mitbegründer Dr. Patrick Moore. Der Klimaexperte sieht in der Kernkraft heute ein zweckmäßiges Mittel zur Senkung der Treibhausgasemissionen bei gleichzeitiger Deckung der weltweit wachsenden Energienachfrage: “Ich habe erkannt, dass Kernenergie gemeinsam mit einer verstärkten Konzentration auf erneuerbare Energien unverzichtbar ist, wenn es darum geht, in Zukunft eine umweltverträgliche Stromerzeugung für Haushalte, Handel und Industrie bereitzustellen.” Kernenergie könne sich als die Schlüssel-Energiequelle erweisen, die unseren Planeten vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels schütze, so Moore.”

Nichts erscheint mehr unmöglich, um die hochgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Selbst nicht die Renaissance der Kernkraft. Im Dezember 2006 wurde der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Josefsson, von Angela Merkel in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen. Zu Vattenfall gehören u.a. die “Pannen-Reaktoren” Brunsbüttel und Krümmel. Vattenfall erzeugt rund ein Drittel seines Stromes aus Kernenergie und wirbt nun für mehr Klimaschutz. Mit der Initiative 3C Combat Climate Change hat sich Vattenfall den Klimaschutz auf die Fahne geschrieben.

Auch die Klimaforschung ist nicht untätig. Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wurde im Dezember 2006, ebenfalls von Angela Merkel, in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen. Herr Schellnhuber - der als Klimapapst Deutschlands gilt - vertritt die Ansicht, dass eine maßvolle Laufzeitverlängerung den Erneuerbaren Energien zum Durchbruch verhelfen könnte.

“Die Kernkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards sollten zehn bis zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen”, meint Schellnhuber.

Stefan Rahmstorf, einer der bekanntesten Klimaforscher Deutschlands und Mitarbeiter von Herrn Schellnhuber, vertritt eine ähnliche Ansicht. “Man kann die Klimaschutzziele mit oder ohne Atomkraft erreichen. Beide Varianten sind durchgerechnet worden und unterscheiden sich global von den Kosten her kaum”, sagte Rahmstorf. Gegen die Kernkraftvariante spricht er sich nicht aus.

Aber nicht nur unter deutschen Klimaforschern gibt es eine liberale Einstellung zur Kernkraft. Auch der führende amerikanische Klimaforscher James Hansen (NASA) setzt inzwischen auf Kernkraft für den Klimaschutz. In einem Schreiben an den Präsidenten der Vereinigten Statten, Barack Obama, appellierte James Hansen gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke ohne CO2-Abscheidungstechnologie und spricht sich für Kernkraftwerke der neusten Generation aus.

Diese Ansicht ist inzwischen weit verbreitet. Auch in der UNO. Selbst der Präsident des UNO-Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri hält die CO2-freie Atomenergie für eine Option. Auch wenn es mit der Atomenergie noch einige Probleme gebe, sehe er für diese Idee Wachstumspotential, erklärte der Friedensnobelpreisträger. Das von den Vereinten Nationen beauftragte Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) schlägt ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor. Dazu gehören auch neue Atomkraftwerke.

Inzwischen haben diese “Vorschläge” in der Politik Gehör gefunden.

US-Präsident Barack Obama will mit einem Milliardenkredit für die Atomindustrie den Kongress für seine Klimaschutzpläne gewinnen. Obama kündigte im Februar an, 8,3 Milliarden Dollar für den Bau des ersten neuen US-Atomkraftwerks seit fast drei Jahrzehnten bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten müssten die Atomkraft ausbauen, um ihren Energiebedarf zu decken und zugleich den Klimawandel zu bekämpfen, sagte der Präsident.

Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy setzt auf Kernkraft, um den steigenden Energiebedarf gerecht zu werden und den Klimawandel zu bekämpfen. Wir brauchen die Kernenergie, um die internationalen Zielen zur Verlangsamung der globalen Erwärmung zu erfüllen, sagte Sarkozy.

Und die deutsche Politik zieht mit. Die Parteien CDU/CSU und FDP wollen den seinerseits von SPD und Bündnis90/Die Grünen geschlossenen Konsensvertrag zum Kernkraftausstieg ändern und die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängern. Begründet wird dies insbesondere mit Klimaschutz-Argumenten oder niedrigeren Strompreisen. Die schwarz-gelbe Regierung erwägt nun eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre. Die deutschen Meiler könnten demnach bis 2050 am Netz bleiben.

Gute Nachrichten für Kernkraftbefürworter und schlechte Nachrichten für alle Klimaschützer, die den Ausstieg auf der Kernkraft fordern. Mit den Rufen nach mehr Klimaschutz und weniger Kohlekraft erscheint die Renaissance der Kernkraft wieder möglich geworden zu sein.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf "Readers Edition". Die Veröffentlichung auf IPAT erfolgte mit freundlicher Genehmigung vom Projekt "Readers Edition" durch CC-Lizenzen.

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